Bonn: schwierige Bedingungen für Sexarbeit in Coronazeiten

High heels und rotes Licht

Bonn: schwierige Bedingungen für Sexarbeit in Coronazeiten

Von Tyra Webster

  • Sexgeschäft wegen körperlicher Nähe verboten
  • Rotlichtmilieu verlagert sich in Illegalität und Onlinebereich
  • Bußgeld für drei Bonner Prostituierte
  • Am 1. Juli 2020 neue Bewertung durch die Politik

Am 16. März 2020 verhängten die Bundesländer ein Verbot für alle Bereiche der Sexarbeit. Bei Verstoß drohen hohe Geldstrafen. Persönliche Not und andere Gründe führen jedoch dazu, dass weiterhin Treffen mit Freiern stattfinden.

Sexgeschäft aufgrund körperlicher Nähe nicht möglich

Laufhäuser, Straßenstriche, Saunaclubs, Mantra-Massagen - all das ist offiziell Tabu. Auf Grund der körperlichen Nähe und der typischerweise erhöhten Atemfrequenz, bei der besonders viele Aerosole ausgestoßen werden, haben die Landesregierungen Prostitution verboten.

Rotlichtmilieu verlagert sich in Illegalität und Onlinebereich

Persönliche Not der Prostituierten führt aber dazu, dass das Geschäft mit Sex weitergeht. Durch das Verbot verlagert es sich aber zum Großteil in die Illegalität und in den Onlinebereich.

Die Verordnung trifft viele aus der Branche hart, so auch die alleinerziehende Mutter Sabrina (35 Jahre) aus Bonn. "Ich mach’ den Job wirklich, um zu überleben. Der Kühlschrank ist leer, die Rechnungen kommen auch wieder rein…", beschreibt sie ihre aktuelle Situation als Prostituierte. Seit knapp 15 Jahren arbeitet sie im Sexmilieu.

Sexarbeit in Zeiten von Corona 03:07 Min. Verfügbar bis 25.06.2021

Vor allem ausländische Prostituierte oder diejenigen, die illegal arbeiten, fallen bei staatlicher Unterstützung durch das Raster. Sie leben am Existenzminimum und haben Geldprobleme.

Bußgeld für drei Bonner Prostituierte

In den meisten Städten und Kommunen werden die bekannten Gebiete und Etablissements täglich vom Ordnungsamt kontrolliert. Bei Verstößen kann es zu Geldstrafen von bis zu 25.000 Euro kommen. "Aber wie sollen die uns denn erwischen?", fragt Sabrina. Das Risiko ist in ihren Augen gering und ihre Not viel größer. Sie nimmt das Risiko in Kauf. Bei anderen Kolleginnen ging diese Rechnung jedoch nicht auf. In Bonn mussten drei Prostituierte jeweils 5.000 Euro Bußgeld zahlen.

Am 01. Juli 2020 neue Bewertung durch die Politik

Die aktuelle Regelung gilt bis zum 1. Juli 2020. Dann will die Politik neu entscheiden und bewerten, welche Art von Etablissements wieder öffnen können.

Stand: 26.06.2020, 10:07

Weitere Themen