Hilferuf: Kaum Schulschwimmen in Köln

Nichtschwimmer-Schild

Hilferuf: Kaum Schulschwimmen in Köln

Von Christine Roskopf

Seit Monaten sind die Schwimmbäder dicht. Viele Kinder im Rheinland lernen nicht schwimmen. Oder verlernen das, was sie schon konnten. Experten schlagen Alarm, Eltern fürchten im Sommer Badeunfälle.

Beispiele wie dieses sind selten in diesen Wochen. Louisa hält den Kopf so hoch wie es geht. Zug um Zug kämpft sich die 5-Jährige durch das Becken. Vor einem halben Jahr hat sie das Seepferdchen gemacht und seitdem viel verlernt. "Ein bisschen Technik ist zwar noch da, aber die Ausdauer und die Kraft, 25 Meter alleine zu schwimmen, die ist verschwunden“, sagt Schwimmtrainerin Lorena Glass in einem privaten Schwimmbad in Köln. Es fehle die Übung.

Viele Eltern haben Angst vor Badeunfällen

Normalerweise ist die Schwimmtrainerin mit im Wasser. Jetzt steht sie am Beckenrand, während Patrizia Schön ihre Tochter unterstützt. „Wir sind schon traurig, weil sie vor einem Jahr schon mal das Seepferdchen machen wollte und dann kam der erste Lockdown.“ Ohne diese ständigen Unterbrechungen und Schwimmbadschließungen, glaubt sie, wäre Louisa viel weiter. Deswegen freut sich die Mutter über das Angebot des privaten Schwimmbads „Sharky“ in Köln-Lövenich. Sie hat es zusammen mit ihrer Schwägerin gemietet. 45 Minuten kosten 80 Euro. Das Geld ist es der Familie wert, nicht nur, weil Schwimmen Spaß macht, sondern auch, weil es Leben retten kann.

Schwimmkurse sind ausgebucht

Kinder im Schwimmbecken

Bei den Ein- bis Fünfjährigen sei das Ertrinken die häufigste nichtnatürliche Todesursache, sagt Martin Becker. Er hat die private Schwimmschule mit eigenen Schwimmbädern in Lövenich und Bensberg gegründet. Er befürchtet, dass es eine "Generation Nichtschwimmer" geben wird. „Schon vor Corona hatten wir 2.500 bis 4.000 Kinder auf der Warteliste für die Schwimmkurse, und nicht allen konnten wir einen Platz anbieten. Das wird sich verschärfen."

Schulschwimmen in Köln findet kaum statt

Auch das Schulschwimmen findet kaum noch statt. In Köln sind aktuell lediglich vier von zwölf Bädern für das Schulschwimmen geöffnet. Dabei warnt die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft DLRG schon seit Jahren, dass viele Kinder die Grundschule verlassen, ohne richtig schwimmen zu können. Kleiner Lichtblick: Wenn der Inzidenzwert in Köln unter 200 bleibt, werden die Schwimmkurse bei „Sharky“ Anfang Mai wieder starten. Und auch wenn Louisa am Ende ihrer Privatstunde noch weit davon entfernt ist, wirklich sicher schwimmen zu können, die 5-Jährige wird wohl nicht zur „Generation Nichtschimmer“ gehören.

Stand: 20.04.2021, 09:52