300 Euro für Koje: Klagen über Flüchtlingsunterkunft in Schwelm

Klagen über Flüchtlingsunterkunft in Schwelm Lokalzeit2go - Bergisches Land 22.01.2019 02:47 Min. Verfügbar bis 22.01.2020 WDR Wuppertal

300 Euro für Koje: Klagen über Flüchtlingsunterkunft in Schwelm

Von Malte Linde

  • Offener Brief an Bürgermeisterin von Schwelm
  • Mängel in Flüchtlingsheim beklagt
  • Bürgermeisterin "sauer" über Beschwerde

Moussa Keita kommt aus Guinea. Ihn nervt das Leben im Flüchtlingsheim. "Man kann nicht rein oder raus, ohne dass man sich beim Sicherheitsdienst melden muss." Er komme sich vor wie in einem Gefängnis.

Über die Zustände in der Flüchtlingsunterkunft in Schwelm hat sich Keita gemeinsam mit den insgesamt 20 Bewohnern in einem offenen Brief bei der Bürgermeisterin Gabriele Grollmann beschwert. Sie besuchte die Unterkunft am Montag (21.01.2019).

Zimmerkontrolle auch in der Nacht

Die Unterkunft war früher eine Musikschule – eigentlich ein schmucker Bau mit alter Ziegelfassade. Hier leben nun die Flüchtlinge zusammen: Sie schlafen in Stockbetten, die Räume sind mit Decken in kleine Kojen aufgeteilt.

Wenn einer spricht, hören das alle. Wer duschen will, muss über den Hof. Und danach wieder beim Sicherheitsdienst klingeln, um reingelassen zu werden.

Portrait von Mohammad Rezai

Weil er einen Job hat, muss Mohammad Rezai 300 Euro für seinen Schlafplatz zahlen.

Außerdem kontrolliert der Sicherheitsdienst die Zimmer – auch nachts.  Für Mohammad Rezai ist das besonders hart. Er hat einen Job in einer Fabrik und muss früh aufstehen. Aber schlafen kann er so nur schlecht.

300 Euro fürs Stockbett

Fast 300 Euro zahlt Rezai für seine Koje, für Strom, Wasser und für den Sicherheitsdienst. Die Stadt legt die Kosten um. "Ein übliches Verfahren", sagt Birgit Naujoks vom Flüchtlingsrat NRW. "Auch die beengte Unterbringung ist normal in NRW."

Mit Hilfe des Wuppertaler Flüchtlingsnetzwerks "Karawane" haben die Bewohnen deswegen Mitte Januar den offenen Brief an die Stadt verfasst, in dem sie die Missstände anprangern.

Bürgermeisterin über offenen Brief verärgert

Die Stadt ärgerte sich über den Brief. Vieles daran sei nicht wahr oder zumindest übertrieben. Der Sicherheitsdienst agiere im Interesse der Bewohner und die Kosten seien eben hoch.

Bei dem Besuch vor Ort sagt die Bürgermeisterin offen: "Eigentlich sind wir sauer." Man hätte einfach mit ihr sprechen können. 

Die Bewohner sagen, sie hätten das versucht. Viel ändern könne die Stadt ohnehin nicht. Vielleicht werde es ein bisschen mehr Platz geben, vielleicht auch ein bisschen mehr Ruhe. Aber, sagt die Stadt, es seien eben Flüchtlingsunterkünfte.

Stand: 22.01.2019, 19:31