Bedburg: Schulsport im Fitnesssstudio

Für Gymnasiasten in Bedburg - Schulsport im Fitnessstudio

Stand: 06.05.2022, 17:36 Uhr

Weil die Turnhalle des Bedburger Silverberg Gymnasiums für Familien aus der Ukraine gebraucht wird, bietet die Schule mehr als 110 Schülerinnen und Schülern der zehnten Klassen ein Training im Fitnessstudio an. Ein einmaliges Projekt.

Von Stephan Pesch

Marcel, Juliana, Michel und Lea kommen bereits ins Schwitzen. Die 16-Jährigen wärmen ihre Muskulatur auf für die bevorstehende Sportstunde. Mit Sit Ups, Sprüngen aus dem Stand und mit  Liegestützen. Trainer Chris Beck achtet darauf, dass sein "Warming up" die Schülerinnen und Schüler rasch auf Betriebstemperatur bringt. Der 42-Jährige ist Chef eines großen Fitness Centers in der Innenstadt von Bedburg. In wenigen Minuten stehen dann für die vier Jugendlichen Ausdauer- und Muskeltraining auf dem Stundenplan. Nicht aber mit Völkerball oder Bodenturnen. Marcel, Juliana, Michel und Lea wollen unter anderem am Kletternetz, auf dem Fahrradtrainer und mit dem Rudersimulator ihre Fitness verbessern.

Fitness und Ausdauer im Lehrplan

Die Schülerinnen und Schüler legen sich ins Zeug. Obwohl allen schnell etwas die Puste ausgeht - der Sport im Fitnessstudio kommt bei den 16-Jährigen an. Nach Marcel sitzt nun Lea auf dem Fahrradtrainer. "Mich persönlich interessiert Sprint. Ist auch mein Leistungssport. Und mit dem Krafttraining kann ich sehr gut kombinieren, weil die Kraft im Sprint eine wichtige Rolle spielt", erklärt die Gymnasiastin.

Auch Juliana ist begeistert, obwohl das Rudern auf dem Simulator die Schülerin ziemlich fordert. Es sei definitiv nicht zu vergleichen mit dem Sportunterricht, den sie bislang gekannt habe, sagt die junge Bedburgerin. "Für meine Übungen brauche ich sehr viel Kraft, und die Kondition wird sehr stark trainiert", ergänzt Juliana, während ihr Stephan Ratzlaff beim Training zuschaut. Der 51-Jährige ist Sportlehrer am Silverberg Gymnasium und dort für das Projekt verantwortlich.

Leistungsnachweis per App

Während seine Schülerinnen und Schüler an den Geräten trainieren, blickt Stephan Ratzlaff zurück. Schon vor dem Ukraine Krieg sei das Projekt geplant worden, berichtet der Pädagoge. Doch erst jetzt habe sich die Gelegenheit ergeben, es auch umzusetzen. Drei Monate können alle Zehntklässler des städtischen Gymnasiums in Bedburg kostenlos im Fitnesscenter trainieren. Ihr Pensum und auch ihre Leistungen müssen die Jugendlichen dokumentieren.

Bedburg: Schulsport im Fitnesssstudio

Zum einen über eine App, quasi eine digitale Stempelkarte. Sie zeigt dem Sportlehrer, wie lange und was die Jungen und Mädchen trainieren. Auch so genannte Selbstbeobachtungsbögen müssen ausgefüllt werden. Am Ende des Projekts werde es dafür Noten geben, erklärt Stephan Ratzlaff. " Für die Zehntklässlerinnen und Zehntklässler, die im Durchschnitt so 16 Jahre alt sind, bietet sich auch der Fitnesssport an und eigentlich ist es vom Lehrplan so vorgesehen , dass Schüler Ausdauer und Kraftsport kennenlernen. Warum also nicht im Fitnessstudio ?" 

Schulsport Projekt soll fortgesetzt werden

Dabei können die Schülerinnen und Schüler ihre Trainingseinheiten im Fitnesscenter frei planen. "Natürlich außerhalb der normalen Unterrichtszeiten", betont Stephan Ratzlaff, der das Geld für sein Sportprojekt aus einem Corona Fördertopf des Landes NRW bekommt. Auch das Fitness Center profitiert von der Zusammenarbeit, bringt sie doch neue Kunden . "Wir sind ja permanent da. Wir haben viele Trainer vor Ort. Dadurch können wir sehen, was sie machen, wenn sie da sind. Sie haben ihre eigenen Aufgaben. Die können wir einfach kontrollieren", sagt Chris Beck.

Wer sich bewegt, der lebt Chris Beck

"Wer sich bewegt, der lebt", ergänzt der 42-Jährige mit einem Lachen. Auch Beck würde sich freuen, wenn die Kooperation mit der Schule fortgesetzt wird. Das sei aber noch offen, heißt es. Von Michel, Julia, Marcel und Juliana gibt es auf jeden Fall gute Noten für das Projekt, auch wenn sie jetzt ziemlich geschafft sind. Das sei schon was völlig anderes als der Sportunterricht in der Turnhalle, sagen sie. Schon morgen wollen aber alle wiederkommen.