Reportage: Der chaotische erste Tag an den Schulen

Reportage: Der chaotische erste Tag an den Schulen

Von Antonia Rüller

Ab heute gibt es keine Präsenzpflicht für Schüler in NRW. Die Entscheidung kam spät am Freitagnachmittag. Nicht viel Zeit zum Organisieren - am Montagmorgen herrscht Verunsicherung. Eine Reportage aus Wuppertaler Schulen.

Kurz vor halb acht - es ist dunkel, kalt und leer vor dem Gymnasium Bayreuther Straße in Wuppertal. In den meisten Klassenräume brennt noch kein Licht. Vereinzelt schlurfen die Schulkinder mit dicken Winterjacken und Masken die Straße zum Gymnasium herunter. In 20 Minuten beginnt der Unterricht.

"Vorher habe ich mich gefreut, wenn ich Homeschooling machen konnte. Jetzt finde ich es aber in der Schule besser. Dann kann man auch mal seine Freunde was fragen und man macht nicht alles alleine", erzählt Henri Hager auf dem Weg zum Unterricht. Er ist in der sechsten Klasse und müsste eigentlich nicht am Unterricht teilnehmen. Aber seine Eltern sind berufstätig und haben entschieden, dass Henri heute zur Schule geht.

Eltern sollen sich für Präsenz- oder Onlineunterricht entscheiden

Ein Gebäude vor dem Autos parken.

Ein Drittel der Schüler in den Klassen sind gekommen

Während die Schüler zum Unterricht gehen, laufen im Sekretariat die Telefone heiß. "Sie haben ihr Kind als kommend eingetragen, kommt sie denn noch?", fragt die Sekretärin. Die Information, dass die Eltern sich zwischen Präsenz- oder Onlineunterricht bis zu den Ferien festlegen müssen, sei bei vielen untergegangen. Deswegen müsse sie jetzt viel telefonieren und nachfragen, wo die Schüler sind. Bisher ist ein Drittel der Schüler im Gymnasium erschienen.

Auch für Eltern keine leichte Entscheidung

500 Meter weiter in Wuppertal: An der Grundschule Marienstraße sind die Schulklassen schon zur Hälfte gefüllt. Die Fenster weit geöffnet an Einzeltischen sitzend werden die Aufgabenblätter verteilt. Ein Junge packt seine Schulsachen zurück in den Tornister. Kurz vor Unterrichtsbeginn holt die Mutter Victoria Bukoroso ihren Sohn aus der Klasse. Sie hat sich kurzfristig umentschieden.

"Es ist sehr schwierig für mich. Wir sind erst vor einem Jahr von Moldavien nach Deutschland gekommen. Mein Sohn hat noch Probleme mit der Sprache, genauso wie ich. Deswegen habe ich auch erst später von der neuen Regelung erfahren. Ich nehme ihn mit und wir versuchen es zusammen Zuhause."

NRW-Schule: "Seit Oktober im Ausnahmezustand"

WDR 5 Morgenecho - Interview 14.12.2020 06:08 Min. Verfügbar bis 14.12.2021 WDR 5


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Späte Kommunikation führt zu Problemen

Nicht nur für die Eltern eine große Herausforderung. Vor allem die späte Entscheidung wird von den Schulleitungen kritisiert. "Eine Warnung ein paar Tage früher wäre schon hilfreich gewesen. So muss man Freitagsnachmittags anfangen, neu zu organisieren. Wir sind Lehrer aus Leidenschaft und wir lassen unsere Schüler nicht hängen, aber diese späte Kommunikation bringt einen an seine Grenzen", sagt Britta Jesinghaus-Eickelbaum, Direktorin des Gymnasium an der Bayreutherstraße.

holger kesting vater

Holger Kesting, Vater

Vor der Schule fahren immer wieder Eltern in ihren Autos vor. Holger Kesting hat einen Sohn in der fünften Klasse. Er und seine Frau seien in der glücklichen Situation, seinen Sohn Zuhause betreuen, zu können. Sein Sohn holt nur die Lernmaterialien aus der Schule. "Das geht schon alles. Wir müssen halt an einem Strang ziehen. Wir halten uns an die Empfehlung, und man sieht ja auch, die Corona-Infektionszahlen steigen. Dann ist das jetzt besser."

Stand: 14.12.2020, 14:49