Freilassung nach Schüssen auf Elfjährigen in Königswinter

Luftgewehr

Freilassung nach Schüssen auf Elfjährigen in Königswinter

Von Christoph Hensgen

Die Nachricht hatte viele Menschen in der Region schockiert: In Königswinter bei Bonn war ein Elfjähriger – kurz nach Ostern – durch Schüsse aus einem Luftgewehr lebensgefährlich verletzt worden. Daraufhin wurde am Donnerstag der Stiefvater des Jungens wegen des Verdachts auf versuchten Mord festgenommen. Er ist nun wieder auf freiem Fuß, da der zuständige Richter keinen dringenden Tatverdacht erkannte.

Am Donnerstagmorgen um 7 Uhr erfolgte die Festnahme des 32-jährigen Mannes aus Königswinter, den Polizei und Staatsanwaltschaft verdächtigen, mit einem Luftgewehr auf seinen Stiefsohn geschossen zu haben. Ermittler der Mordkommission holten den Stiefvater des Elfjährigen zu Hause ab, nahmen ihn mit zum Verhör. Die Staatsanwaltschaft ist der Auffassung, dass der Mann drei Mal auf den Jungen geschossen hat.

Robin Faßbender, Staatsanwaltschaft Bonn: "Es war so, dass er nach der Tat zeugenschaftlich befragt worden ist, und angegeben hat, dass er in einem abgeschlossenen Bereich des Kellers über eine lange Luftdruckwaffe verfügt, die er auch ausgehändigt hat."

Richter erkannte keinen dringenden Tatverdacht

Einen Tag nach der Festnahme ist der 32-jährige Mann nun wieder auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den Verdächtigen Haftbefehl wegen versuchten Mordes beantragt – der zuständige Richter erkannte jedoch keinen dringenden Tatverdacht.

Einlieferung in Kinderklinik

Vor zwei Wochen wurde der Elfjährige abends in die Kinderklinik in Sankt Augustin eingeliefert. Nach einer ersten Untersuchung des Jungen schalteten die Ärzte die Polizei ein: Auf das Kind sei geschossen worden. Mit einem Luftgewehr, aus sehr kurzer Entfernung. Ein Geschoss steckte im Oberkörper des Jungen – es bestand Lebensgefahr. Er wurde noch in der Nacht in der Bonner Uni-Klinik notoperiert. Zunächst war völlig unklar, wer geschossen hatte. Auch einen konkreten Tatort gab es nicht.

Junge ist Autist

Das Ortsschild von Bockeroth

Hier geschah die Tat

Der Elfjährige hatte am Nachmittag noch mit anderen Kindern im Ort gespielt. Erst schlossen die Ermittler neben einer gezielten Schussabgabe auch einen Unfall nicht aus. Das Problem der Mordkommission: Das Opfer selbst kann der Polizei nicht helfen. Der Elfjährige ist Autist und kann nicht sprechen. Nach und nach verdichteten sich aber die Hinweise darauf, dass der Schütze aus dem engstem familiären Umfeld kommen könnte.

Donnerstag dann die Festnahme des Stiefvaters. Robin Faßbender, Staatsanwaltschaft Bonn: "Die rechtliche Bewertung wird erst morgen erfolgen, da hierzu noch, was den genauen Ablauf anbetrifft, weitere Ermittlungen erforderlich sind, so dass auch morgen erst entschieden wird, ob und gegebenenfalls mit welchem Tatvorwurf eine Vorführung vor dem Ermittlungsrichtiger erfolgen wird."

Der 32-jährige Stiefvater blieb also bis Freitag im Polizeipräsidium in Gewahrsam. Er schweigt zu den Vorwürfen und hat sich einen Anwalt genommen.

Stand: 23.04.2021, 18:05

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