Tod bei Klassenfahrt: Emilys Vater erhebt schwere Vorwürfe

Das Holzkreuz über Emilys Grab

Tod bei Klassenfahrt: Emilys Vater erhebt schwere Vorwürfe

  • Schülerin stirbt bei Klassenfahrt in London
  • Lehrer sollen sich nicht um Emily gekümmert haben
  • Staatsanwaltschaft ermittelt, Gutachten angefordert
  • Schule stellt sich hinter betroffene Lehrer

Eine furchtbare Vorstellung: Dem eigenen Kind geht es auf einer Klassenfahrt so schlecht, dass es stirbt. Ein Vater aus Mönchengladbach musste diesen Sommer genau das erleben: Seine Tochter, die 13-jährige Emily, starb bei einer Klassenfahrt nach London. Sie war Diabetikerin. Jetzt hat Emilys Vater, Kay Schierwagen, dem WDR ein Interview gegeben. Er erhebt schwere Vorwürfe.

"Dass die Lehrer meiner Emily nicht geholfen haben. An Diabetes stirbt keiner. Nur, wenn man demjenigen nicht hilft. Und das ist hier passiert", sagt er. Schierwagen hat Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach ermittelt seitdem wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen vier Aufsichtspersonen.

Emily soll es schlecht gegangen sein

Mitschülerinnen hätten ihm berichtet, dass Emily schon am ersten Tag der Klassenfahrt schlecht gewesen sei. Sie habe sich mehrfach übergeben und soll schließlich nicht mehr ansprechbar auf ihrem Bett gelegen haben. Die Klassenkameradinnen hätten ihm auch versichert, sie seien bei den Lehrern gewesen. Die seien aber nicht gekommen.

Ein Selfie von Emily und ihrem Vater auf der Kirmes

Eines der letzten gemeinsamen Fotos von Emily und ihrem Vater

"Wären Lehrer gekommen, hätte man, glaube ich, die Situation so erkannt und Emily geholfen. Die Lehrer sind keine Unmenschen, das weiß ich. Aber so ein Verhalten darf nicht ungesühnt bleiben. Die haben Verantwortung, die Lehrer. Einfach wegschauen, das geht nicht."

Ein Rettungswagen für seine Tochter sei laut Schierwagen erst eineinhalb Tage später, am Tag der Abreise, gerufen worden. Da sei die Schülerin schon zu schwach gewesen, um sich aufzurichten.

In der Zwischenzeit haben die Begleitpersonen und SchülerInnen bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt. Die Pädagogen sind weiter im Dienst. Die Schulleiterin der Gesamtschule, Raphaela Hahn, stellt sich vor die begleitenden LehrerInnen. Sie habe das vollste Vertrauen in die KollegInnen.

Stunden der Ungewissheit

Bis der Vater selbst in der Londoner Klinik eintraf, muss er Stunden der Ungewissheit erlebt haben. "Wir wussten bis zur Ankunft in der Klinik nicht, was mit Emily passiert. Als ich sie da liegen gesehen habe, ist für mich eine Welt zusammengebrochen", erinnert er sich.

Seine Tochter habe bei der Einlieferung einen Blutzuckerwert von über 1.400 gehabt, Standard sei 120. Der Wert sei dann im Krankenhaus auf 300 gesunken. Der Vater habe deswegen in London auch noch ein letztes Mal mit seiner Tochter sprechen können. Kurz danach ist die Tochter verstorben.

Ärztliches Gutachten soll Klarheit schaffen

Laut Jan Steils von der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach hatte Emily zwar einen stark erhöhten Blutzuckerwert, gestorben sei die Schülerin aber an einem Herzinfarkt. Ein fachärztliches Gutachten soll den Sachverhalt auf Basis der Krankenunterlagen aus Deutschland und Großbritannien klären.

Die Trauer des Vaters bleibt. Er besucht fast jeden Tag das Grab seiner Tochter: "Es vergeht keine Minute, keine Sekunde, wo ich nicht an sie denke. Das war mein Mädchen, meine Emily."

Der Fall Emily – Interview mit dem Vater

00:47 Min. Verfügbar bis 26.11.2020

Stand: 26.11.2019, 18:58