Tod nach Po-OP: Düsseldorfer Schönheitschirurg darf nicht mehr praktizieren

Detailaufnahme von Operationswerkzeugen eines Chirurgen der unscharf im Hintergrund bei Arbeit ist.

Tod nach Po-OP: Düsseldorfer Schönheitschirurg darf nicht mehr praktizieren

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat einen Schönheitschirurgen wegen fahrlässiger Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Nun darf der Mann vorerst nicht mehr praktizieren.

Das hat das Düsseldorfer Landgericht nach Angaben einer Gerichtssprecherin beschlossen. Dort hatte der Mediziner heute erscheinen müssen.

Gegen den 49-Jährigen bestehe auch ein Haftbefehl, der aber gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden sei. So muss sich der Arzt zweimal pro Woche bei der Polizei melden, und außerdem seinen Reisepass abgeben und 100.000 Euro Kaution hinterlegen, so die Gerichtssprecherin.

Das wird dem Arzt vorgeworfen

Die Ermittler werfen dem Arzt vor, nicht zugelassene Medikamente verwendet und die Patienten vor und nach dem Eingriff nicht ausreichend aufgeklärt zu haben.

Außerdem soll er unsauber gearbeitet haben: So soll er Betäubungsmittel falsch dosiert und die Eingriffe zur Fettentnahme nicht fachgerecht vorgenommen haben. Mit der Anklage hat die Staatsanwaltschaft auch ein Berufsverbot für den Mann beantragt.

Gutachten zeigt Behandlungsfehler auf

Die Anklage stützt sich auf ein Gutachten, das dem Operateur mehrere Behandlungsfehler attestiert hatte. Im August 2018 soll der Beschuldigte einer 20-Jährigen bei einer ambulanten OP zwölf Liter Fett abgesaugt und diese sowohl in die Brüste als auch in das Gesäß der Patientinnen implantiert haben. Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass der Arzt nicht mehr als 5 Liter Fettgewebe hätte entnehmen dürfen.

Die Patientin soll auch nicht aufgeklärt worden sein, wie sie sich bei einem Notfall zu verhalten habe. Nachdem die Patientin entlassen wurde, starb sie noch am gleichen Abend an den Folgen eines hohen Blutverlustes und einer Fettembolie.

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Behandlung hätte stationär stattfinden müssen

In einem weiteren Fall aus dem Juli 2019 hätte die OP aus Sicht der Staatsanwaltschaft nur stationär und in Anwesenheit eines Anästhesisten durchgeführt werden dürfen. In Folge der OP sei es zu massiven Einblutungen gekommen. Die Frau verstarb am folgenden Tag in der Universitätsklinik Düsseldorf.

Ein Schild an einer Hauswand mit der Aufschrift "Staatsanwaltschaft Düsseldorf"

In einem dritten Fall soll der Arzt im Juni 2018 ein nicht zugelassenes Medikament verwendet haben und auch hier zu viel Fett abgesaugt haben.

Umstrittene Eigenfett-Implantationen

Der angeklagte Arzt aus Düsseldorf bietet seit mehreren Jahren Po-Vergrößerungen ("Brazilian Butt") mittels Eigenfett-Implantation an. Eine Methode, die von vielen plastischen Chirurgen wegen ihres Risikos kritisch gesehen wird.

Stand: 24.11.2020, 16:04