Niedrigwasser in Emmerich lässt Schiffswrack auftauchen

Niedrigwasser in Emmerich lässt Schiffswrack auftauchen

Niedrigwasser in Emmerich lässt Schiffswrack auftauchen

Von Lisa Mathofer

  • Holländisches Frachtschiff explodierte vor 123 Jahren
  • Hitze sorgt für Niedrigwasser auf dem Rhein
  • Wrack der "De Hoop" ist komplett freigelegt

Die dicken, morschen Holzbanken des Wracks liegen auf der Sandbank am linken Rheinufer. Nur unterhalb des holländischen Wracks umspült das Rheinwasser die alten Balken einige Zentimeter hoch. Auch wenn es nur Reste des ehemaligen Frachtschiffs aus dem 19. Jahrhundert sind – zurzeit liegen sie komplett frei. Viele Spaziergänger sind in den vergangenen Tagen länger an dem Wrack geblieben, um den seltenen Anblick zu fotografieren.

Niedrigwasser - mehr Arbeit für das Wasser- und Schifffahrtsamt

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen | 08.08.2018 | 03:38 Min.

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Denn der Pegelstand des Rheins ist auch in Emmerich wegen der anhaltenden Hitze ziemlich niedrig. Am Mittwoch (08.08.2018) liegt er bei nur 48 Zentimetern. Niedrig genug, um das 1895 gesunkene Schiff „De Hoop“ für einige Zeit in die Gegenwart zu holen. Und Anlass genug für Hobbyforscher und Lokalreporter Günter van Meegen, erneut in die Geschichte dieses Unglücks einzutauchen. "Hier wurde damals Dynamit auf niederländische Schiffe verladen. Plötzlich kam es zu einer Explosion, mehrere Schiffe sanken, unter anderem die De Hoop", weiß van Meegen.

"Furchtbarer Knall erschreckte die Gegend"

Er hat das Wrack vor einigen Jahren zum ersten Mal gesehen, damals nur einige Spitzen der Holzbalken, die aus dem Wasser ragten. Nach Tipps von Bekannten und Freunden begann er zu recherchieren und immer weiter in die Geschichte einzusteigen. Dabei entdeckte er auch einen Zeitungsartikel des Bürger-Blatts aus dem 19. Jahrhundert. Am 20. März 1895 berichtete die Zeitung: "Ein furchtbares Unglück hat sich eine Stunde unterhalb unserer Stadt beim „Schürpoll“ an jener Rheinseite ereignet. 6 Uhr 10 Minuten erdröhnte die Erde und ein furchtbarer Knall erschreckte die ganze Gegend stundenweit."

Als Günter van Meegen das Schiffswrack vor einigen Jahren zum ersten Mal sah, hatte es noch einige Planken mehr. Er vermutet: Souvenirjäger haben schon so manches Teil mitgenommen. "Das Wrack steht nicht unter Denkmalschutz, aber sollte weiter erhalten werden", wünscht sich der Rentner.

Normaler Wasserpegel bei 263 Zentimetern

Zuletzt war das Wrack bei Niedrigwasser 2015 zu sehen. Im Normalfall liegt der Wasserpegel jedoch bei rund 263 Zentimetern - wann das Wrack aus dem Wasser auftaucht, ist also purer Zufall. Wer dann nicht wieder so lange warten möchte: Im Rheinmuseum Emmerich sind von dem Wrack die Ankerwinde und der Achtersteven ausgestellt.

Stand: 08.08.2018, 21:06