Abschuss gefordert: Erstmals Wolfsrudel am Niederrhein gefilmt

Wolfsrudel am Niederrhein vom LanuV bestätigt 02:07 Min. Verfügbar bis 23.12.2025

Abschuss gefordert: Erstmals Wolfsrudel am Niederrhein gefilmt

Von Andreas Palik

Der Gemeinderat Schermbeck stimmte am Dienstag für die Jagd auf die Wölfin in dem Wolfsgebiet um Schermbeck und Hünxe. Das Umweltministerium hält eine Entnahme jedoch für unbegründet.

Ein entsprechender Antrag wurde mit der Stimmenmehrheit von FDP und CDU verabschiedet. Die Gemeinde will die Entnahme – also eine mögliche Tötung der Wölfin – beim Kreis Wesel und beim Umweltministerium des Landes NRW beantragen.

Auf Anfrage des WDR teilte das Umweltministerium am Mittwochnachmittag mit, dass eine Entnahme derzeit unbegründet ist.

Erstmals Videoaufnahmen eines Rudels am Niederrhein

Seit 2018 lebt Wölfin Gloria, auch bekannt unter dem Namen GW954f, in dem Wolfsgebiet um Schermbeck und Hünxe. Seit wenigen Monaten begleitet sie ein männlicher Wolf.

Ein Wolfswelpe, vermutlich von Wölfin Gloria, steht auf einer Wiese in Hünxe.

Am Niederrhein geben Bilder eines Welpens Hinweis auf ein neues Rudel.

Videoaufnahmen zeigen nun erstmals ein Wolfsrudel am Niederrhein – seit mehr als 200 Jahren. Dabei soll es ich um die Wölfin und ihren rund sechs Monate alten Welpen handeln, sagte das LANUV.

Wölfin sorgt für Unruhen

Gloria soll seit 2018 nach Zählungen des Bauernverbandes rund 78 Schafe getötet oder verletzt haben und 14 Wildtiere gerissen haben, sagte Bernhard Conzen vom Rheinischen Landwirtschafts-Verband am Mittwoch. Das sorgte bei vielen Landwirten für Unmut, sagte Wesels Landrat Ingo Brohl (CDU) dem WDR und sprach sich bereits im November für eine Entnahme aus.

Allerdings spricht das Umweltministerium spricht von rund 20 Rissen pro Jahr. Außerdem bemängelt das Ministerium, dass die Weiden der Landwirte überwiegend unzureichend geschützt sind. Landwirte, die Schutzmaßnahmen wie Zäune umsetzen, haben einen Anspruch auf Entschädigung vom Land NRW für ein gerissenen Tier.

Derzeit sieht das Umweltministerium keinen Handlungsbedarf bei Wölfin Gloria. "Nach allen bisher vorliegenden Daten ist eine Entnahme nicht rechtssicher begründbar", sagte Ministerin Ursula Heinen-Esser (CDU). Außerdem ergänzte sie: "Die Region ist geeignet für Wölfe, weshalb davon auszugehen ist, dass sich auch in der Zukunft immer wieder Wölfe dort ansiedeln und leben werden."

Stand: 23.12.2020, 20:10

Weitere Themen