Ein von der Flut völlig zerstörtes Haus im Ahrtal

Aachener Forschungsprojekt zu Kommunikation bei Krisen

Stand: 20.12.2021, 16:39 Uhr

Bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 lief mit der Kommunikation längst nicht alles rund. Das soll besser werden.

Von Michael Esser

In einem Forschungsprojekt, das federführend bei der RWTH Aachen angesiedelt ist, sollen jetzt Medienwissenschaftler der Uni Siegen Verbesserungen herausfinden. Denn die extremen Hochwasserfluten im Juli haben zahlreiche Schwächen bei Information und Kommunikation über die Katastrophe offengelegt.

Keine Zeit für Warnung und Rettung

Das Hochwasser im Juli, es war als großflächiger Starkregen angekündigt und wurde an vielen Stellen zur Jahrhundertflut - voller Wucht zerstörte das Wasser im Ahrtal, in der Eifel, bei Erftstadt oder im Aachener Raum Telefonnetze, Handy-Empfang und selbst den für jede Aktion wichtigen Funk der Behörden, besonders der Rettungskräfte. Vielerorts fehlte nicht nur am Anfang, sondern für lange Zeit der Überblick: Was passiert gerade, wie schnell und was bedeutet das, was muss jetzt sofort getan werden?

Beitragsbild Dok5 Feature Meine Familie und die Flut

Für viele Informationen fehlten die Quellen, waren die Messstellen abgesoffen, Übermittlungswege gekappt. Eine Folge: "Für Präventions- und Rettungsmaßnahmen scheint weder Zeit noch Raum geblieben zu sein", sagt Professor Gebhard Rusch, Leiter des Instituts für Medienforschung an der Uni Siegen. Ein Ziel des Forschungsprojekts ist deshalb, für das Reden über Risiken, Krisen und den Umgang mit Katastrophen stabilere Informationsketten zu entwickeln.

Kommunikation muss robuster werden

Aber auch was über die Ereignisse und Entwicklungen der Katastrophe gesagt und berichtet wurde, war viel zu oft weder zutreffend noch hilfreich. Was Behörden sicher sagen konnten, was Medien berichteten, was die Menschen wissen wollten (und sollten) - solche Aspekte werden in dem Projekt aufgegriffen. Die Forscher wollen auf Basis der Bestandsaufnahme herausfinden, wie die Katastrophen-Situation schnell und hinreichend genau beschrieben werden kann, wie Maßnahmen dazu geplant und Entscheidungen getroffen und öffentlich vermittelt werden können. Ziel sind "deutlich robustere Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen".

Erfahrene Medienforscher

Das Institut für Medienforschung an der Uni Siegen hat seit 2006 für zahlreiche ähnliche Projekte verantwortlich gezeichnet. Die Leitfrage war immer, wie die Sicherheit der Beteiligten durch "achtsames Kommunizieren" und geeignete - sprich hier: hochwasser-resistente - Informationsstrukturen und Medien nachhaltig verbessert werden könnte.

Neben RWTH Aachen und Uni Siegen sind weitere drei Universitäten an dem Forschungsprojekt des Bundes "Governance und Kommunikation im Krisenfall des Hochwasserereignisses im Juli 2021 - HoWas2021" beteiligt. Auch Rettungsorganisationen wie etwa das THW oder der Deutsche Wetterdienst sind eingebunden. Das Bundesministerium für Forschung und Bildung hat dafür rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das Projekt hat eine Laufzeit von 18 Monaten.