Mahnwache vor Abriss des Immerather Doms

Mahnwache Immerath

Mahnwache vor Abriss des Immerather Doms

  • Mahnwache gegen Kirchenabriss in Immerath
  • St. Lambertus muss Braunkohle weichen
  • Am Montag (08.01.2018) beginnen Abrissarbeiten

Rund 300 Menschen haben nach Veranstalterangaben am Sonntag (07.01.2018) mit einer Mahnwache Abschied vom sogenannten Immerather Dom genommen. Die zweitürmige Kirche in Immerath bei Erkelenz soll dem Braunkohleabbau weichen und wird ab Montag (08.01.2018) abgerissen. Die Teilnehmer der Mahnwache zeigten lange Spruchbänder zum Ausdruck ihres Protestes gegen den Abriss des früheren Gotteshauses.

Wahrzeichen verschwindet

Am Mittag sprachen Vertreter beider großer Kirchen mit den Teilnehmern ein ökumenisch-politisches Gebet. Unter den Demonstranten seien auch Menschen aus jenen fünf Nachbarortschaften gewesen, denen die Umsiedelung für den Tagebau Garzweiler noch bevorsteht, wie es hieß. "Wir sind wütend und traurig darüber, dass mit der Kirche ein Wahrzeichen für immer verschwindet, das mehr als 100 Jahre für die gesamte Region große Bedeutung hatte", sagte Dirk Jansen, NRW-Geschäftsleiter des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Abriss beginnt am Montag

Am Montag soll der Abriss des neuromanischen Gebäudes beginnen, das wegen seines Doppelturms von vielen auch "Immerather Dom" genannt wurde. Nach Informationen des Energieunternehmens RWE Power dauern die Arbeiten rund zwei Wochen.

Rückblick 2013: Letzter Gottesdienst im Immerather Dom

Sankt Lambertus

Im Ortszentrum von Erkelenz-Immerath steht die Kirche Sankt Lambertus, ein neuromanischer Bau aus dem Jahr 1891. Er wird von den Bewohnern "Immerather Dom" genannt, weil die beiden 40 Meter hohen Türme sie an den Kölner Dom erinnern.

Im Ortszentrum von Erkelenz-Immerath steht die Kirche Sankt Lambertus, ein neuromanischer Bau aus dem Jahr 1891. Er wird von den Bewohnern "Immerather Dom" genannt, weil die beiden 40 Meter hohen Türme sie an den Kölner Dom erinnern.

Sankt Lambertus ist, wie der ganze Ort und seine Nachbargemeinden, auf Braunkohle gebaut. Ab 2017 sollen sich die RWE-Bagger durch die Erde des Abbaugebiets Garzweiler II wühlen. Darum werden bereits seit Jahren die Menschen umgesiedelt nach Neu-Immerath. Doch die Messe feiern sie nach wie vor in ihrem Dom. Am Sonntag (13.10.2013) läuteten dort zum letzten Mal die Glocken zur Messe.

"Es ist ein sonderbares Gefühl, ich merke, wie ich seit Tagen vibriere", sagt Günter Salentin. Der Pfarrer im Ruhestand ist der Gemeinde in unterschiedlichen Ämtern seit zwei Jahrzehnten verbunden.

Am Samstag (12.10.2013) taufte er Ida, die jüngste Tochter von Familie König. Die Eltern wollten kein Interview geben, gestatteten aber Fotos in der Kirche.

Eine Taufe stimmt jede dörfliche Gemeinschaft hoffnungsfroh, verspricht sie doch Zukunft für den Ort.

Aber in Immerath spielen keine Kinder mehr.

Und es werden auch keine Feste mehr in der Eckkneipe gefeiert.

Alles, was in dieser ehemaligen Blumenhandlung noch wächst, ist der Verfall.

Die Münder der Briefkästen sind verklebt.

Und Sperrmüll steht auf der Straße. Eine Einladung für Altstoffsammler, die durch den Ort streunen.

Die Straßen sind verwaist, nur noch wenige Menschen sind unterwegs. Der Ort leert sich.

Nur bei einem füllt sich der Hof: Es ist ein Unternehmen, das mit gebrauchten Baumaterialien handelt.

Zu den Menschen, die noch im Ort leben, gehören zwei Familien mit landwirtschaftlichen Betrieben. Und ein Bewohner, der zusammen mit dem BUND gegen seine Umsiedlung vor dem Bundesverfassungsgericht klagt. Vor einigen Tagen berichtete die "Süddeutsche Zeitung", RWE erwäge, auf den Braunkohle-Abbau im Bereich Garzweiler II zu verzichten. Der Bürgermeister von Erkelenz hat die Umsiedlung vorerst gestoppt.

Doch ganz gleich, ob RWE im Revier "vorweg geht" oder einen Schritt zurück macht: In den bereits umgesiedelten Orten macht man sich keine Hoffnung auf Wiederbelebung. "Der Zug für Immerath ist endgültig abgefahren", sagt Pfarrer Günter Salentin.

So ist selbst die "letzte Ruhestätte" in Immerath nur die vorletzte: Die Umsiedlung trifft die Lebenden und die Toten. Holzbretter markieren auf dem Friedhof die bereits umgebetteten Gräber.

Doch von Totenstille konnte am Samstagvormittag in Immerath keine Rede sein. Denn aus dem Inneren der Kirche drang immer wieder Orgelmusik.

Was löst der Abschied von Sankt Lambertus bei der Organistin aus? "Die Gefühle kann man gar nicht schildern, das ist so grausam", sagt Anne Jansen und lässt ihren Tränen freien Lauf. 20 Jahre lang hat sie für die Gemeinde Orgel gespielt.

Die Organistin spielte auch während einer Trauung am Samstagmittag. Das Brautpaar wollte ohne Presse sein. Die letzten Orgeltöne in Sankt Lambertus musste Anne Jansen am Sonntag (13.10.2013) bei der Abschiedsmesse anstimmen. Egal wie die weiteren Entwicklungen zu Garzweiler sein werden, das Ende von Sankt Lambertus ist damit besiegelt. Die Kirche gehört bereits RWE, der Abriss soll in rund einem Jahr beginnen.

Stand: 07.01.2018, 14:46