Prorussischer Autokorso in Bonn

03:05 Min. Verfügbar bis 29.03.2023

Zweifelhafte Botschaft von pro-russischem Autokorso

Stand: 29.03.2022, 13:08 Uhr

Als Friedensdemo bezeichneten die Organisatoren einen Autokorso mit rund 500 Teilnehmenden in Bonn. Doch darunter zeigten einige russisch-nationale Symbole.

Von Philipp Blanke, Angela Sinne

Mehrere hundert Autos fuhren mit russischen Flaggen am Sonntag von Köln nach Bonn. Laut den Organisatoren, um für den Frieden zu demonstrieren. Doch unter den Demonstrierenden zeigten sich auch Menschen mit eindeutig russisch-nationalen Symbolen.

Deutliche Russland-Sprechchöre

Aus der Menge riefen viele "Rossija, Rossija" und den Namen des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin. Diese Aufnahmen in sozialen Netzwerken sind für den Bonner Paul Hrosul erschreckend. Der gebürtige Ukrainer hilft gerade Geflüchteten und ist entsetzt.

“Ich kann verstehen, dass hier in der Demokratie jeder das Recht auf freie Meinungsäußerung hat. Aber die russische Fahne ist für mich gerade kein Symbol für Frieden, sondern für Krieg.” Paul Hrosul, Initiative Solidarität Bonn-Ukraine
Eine Person hält ein Plakat in der Hand, auf dem eine Friedenstaube und der Spruch 'Für Frieden auf der ganzen Welt'.

Eine zweifelsfreie Botschaft für den Frieden sei die Demo laut eines Experten nicht.

Ziel des Korsos war das sowjetische Ehrenmal für gefallene Soldaten im Zweiten Weltkrieg in Bonn. Hier legten die Teilnehmenden Blumen nieder. In einer Rede wünschten sich die Organisatoren Frieden, "den Kindern zuliebe", wie sie sagten. Auch gedachten sie zweier im Ukraine-Krieg gefallener russischer Soldaten, die ihre Freunde gewesen sein sollen.

Russisch-nationale Symbole

Zweifel an der friedlichen Botschaft nähren Teilnehmende wie ein Motorradfahrer der russischen Rockergruppe “Nachtwölfe”. Die Gruppe steht Wladimir Putin nahe, wurde sogar im Kreml vom russischen Staatspräsidenten empfangen. Putin und die Rocker zeigten sich in der Vergangenheit gerne gemeinsam in der Öffentlichkeit.

Georgsband und Seekriegsflagge

Im Vordergrund ist eine Frau zu sehen, an deren Jacke das schwarz-orange gestreifte Georgsband befestigt ist.

Eine der Teilnehmenden trägt deutlich sichtbar das Georgsband.

Einige Teilnehmer trugen auch das Georgsband, das seit der Krim-Annexion 2014 als Symbol für die russische Ukraine-Politik angesehen wird. Ein Teilnehmer zeigte sich auch mit der russischen Seekriegsflagge, was deutliche Zweifel an der friedlichen Intention der Demonstration zulässt.

Symbole seien "pro Putin"

Diese Demo passt für Politikwissenschaftler Prof. Andreas Heinemann-Grüder ins Bild der russischen Desinformationskampagne. Die gezeigten Symbole würden ein pro-putinsches Russland zeigen wollen, um Russland als Opfer darzustellen.

Taktik der russischen Politik

Demos wie diese fänden gerade in vielen Ländern Europas statt, so Heinemann-Grüder. Für ihn seien Rockergruppen, Kriegsflaggen und Georgsband "eine Mischung aus Symbolik, die letztlich nicht an ein demokratisches, sondern an ein nationalistisches, oder auch sowjetisch geprägtes Russland erinnert."

Über dieses Thema haben wir im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Bonn, 19.30 Uhr.

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