Rohrreiniger-Prozess: Täter muss in Psychiatrie

Wippe auf Spielplatz vor Hecke,Warnsymbol chemische Flüssigkeit

Rohrreiniger-Prozess: Täter muss in Psychiatrie

  • Täter hatte 2017 Rohrreiniger auf Spielplätzen verteilt
  • Fünf Kinder waren verletzt worden
  • 53-Jähriger muss auf unbestimmte Zeit in die Psychiatrie

Im Prozess gegen den Mann, der im Sommer des vergangenen Jahres ätzenden Rohrreiniger auf Spiel- und Grillplätzen in Aachen ausgestreut hatte, ist am Freitag (09.03.2018) vor dem Aachener Landgericht das Urteil gesprochen worden. Der Täter muss auf unbestimmte Zeit in die Psychiatrie. Der 53-Jährige sei psychisch-krank, gefährlich und gehöre deshalb auch in eine geschlossene Anstalt, so die Richter. Fünf Kinder waren durch den Rohrreiniger verletzt worden.

Nachts Rohrreiniger verteilt

Im vergangenen Jahr hatte der Mann nachts Rohrreiniger gezielt auf Sitzbänken und Spielgeräten verteilt. Zunächst war von vier verletzten Kindern die Rede gewesen. Heute wurde bekannt, dass noch ein weiteres Kind verletzt worden war. Die fünf Kleinkinder waren mit dem gefährlichen Granulat in Berührung gekommen und hatten leichte Verätzungen erlitten. Drei von ihnen hatten sich die Kügelchen arglos in den Mund gesteckt, sie mussten mit großen Schmerzen für einen Tag ins Krankenhaus. Für den angehörten Rechtsmediziner hatten die zwei- und dreijährigen Kinder sehr viel Glück. Rohrreiniger könne zu schwersten Verletzungen von Speiseröhre und Magen führen. Die Aufnahme sei potentiell lebensgefährlich.

Videofalle brachte Aufklärung

Zu sehen sind der Täter und sein Anwalt, im Hintergrund stehen Polizisten.

Vor Gericht gab der Mann die Taten zu

Monatelang war nach dem Täter gesucht worden. Viele Eltern waren beunruhigt. Im September tappte der 53-Jährige dann in eine Videofalle der Polizei. Die Bilder wurden in den Medien veröffentlicht. Der Mann wurde rasch erkannt und festgenommen. Bald zeigte sich, dass der Beschuldigte vermutlich psychisch-krank und schuldunfähig war. Statt in Untersuchungshaft wurde er vorläufig in eine geschlossene Anstalt eingewiesen. Dort muss er jetzt nach dem Urteil des Landgerichts auch weiterhin bleiben. Er sei gefährlich, weitere Taten seien zu erwarten.

Täter fühlte sich belästigt

Im Prozess wurde der 53-Jährige vom Richter gefragt, warum er den Rohrreiniger verschüttet habe. Seine Antwort: Er habe sich bedroht und belästigt gefühlt, durch Nachbarn, fremde Menschen, aber auch durch Kinder. Alle hätten immer wieder seinen Namen gerufen. Oft habe er das Ganze nicht mehr ertragen, dann habe er seine Sachen gepackt und tagelang im Wald gezeltet. Er habe niemanden verletzen oder gar töten wollen, so der Mann. Das Gericht wertete die Taten letztlich als gefährliche Körperverletzung. Zunächst war dem 53-Jährigen versuchter Mord vorgeworfen worden.

Stand: 09.03.2018, 14:17