Wehrhahn-Bombe wäre fast von Pfandsammlerin entdeckt worden

Das Hinweisschild «Wehrhahn» steht am S-Bahnhof Wehrhahn.

Wehrhahn-Bombe wäre fast von Pfandsammlerin entdeckt worden

  • Täter hatte Sprengsatz unter alten Flaschen versteckt
  • Pfandsammlerin durchwühlte die Tüte
  • Pfandwert zu gering - sie ließ die Tüte hängen

Beinahe wäre es im Sommer 2000 gar nicht zur Explosion am Düsseldorfer S-Bahnhof Wehrhahn gekommen. Der Täter hatte die Bombe in eine Tüte gesteckt, sie mit ein paar alten Flaschen abgedeckt und dann an einem Geländer befestigt. Einer Passantin fiel der Beutel auf. Sie errechnete für die Flaschen einen Pfandwert von nur 1 Mark 30. Das war ihr zu wenig, um den Beutel mitzunehmen.

Der Nachbau einer selbstgebauten Rohrbombe, die beim Bombenanschlag am 27. Juli 2000 beim sogenannten Wehrhahn-Anschlag in Düsseldorf verwendet wurde, steht im Gerichtsaal.

Der Nachbau einer selbstgebauten Rohrbombe, die beim Bombenanschlag am 27. Juli 2000 beim sogenannten Wehrhahn-Anschlag in Düsseldorf verwendet wurde, steht im Gerichtsaal.

Davon hat am Montag (16.04.2018) eine LKA-Mitarbeiterin im Prozess gegen den verdächtigen Militaria-Händler Ralf S. berichtet. Wenig später, als eine Gruppe osteuropäischer Sprachschüler an der gleichen Stelle vorbeikam, soll der Täter den Sprengsatz dann aus der Ferne gezündet haben.

Tatmotiv: Ausländerhass

Im Prozess hat das Landeskriminalamt heute einen Nachbau der Bombe präsentiert. Der Sprengsatz konnte nach Angaben der Ermittler durchaus von einem geübten Heimwerker mit ein paar zusätzlichen militärischen Kenntnissen hergestellt werden.

Eine Profilerin des Landeskriminalamts erklärte im Prozess, der Täter habe gezielt die Gruppe der Sprachschüler ins Visier genommen. Denn es sei bekannt gewesen, dass die Aussiedler aus den beiden umliegenden Sprachschulen regelmäßig gegen 15 Uhr Unterrichtsschluss hatten und dann in einer Gruppe gemeinsam zur S-Bahn gingen.

Stand: 16.04.2018, 15:37