Roetgen: Das große Aufräumen im Wald nach dem Tornado

Baumstämme im Wald bei Roetgen nach dem Tornado

Roetgen: Das große Aufräumen im Wald nach dem Tornado

  • Tornado zerstörte großes Waldstück
  • Tausende Kubikmeter Holz müssen bis Juni verarbeitet werden
  • Aufforstung dauert Jahrzehnte

Drei Wochen nach dem verheerenden Tornado in Roetgen bei Aachen laufen noch immer die Aufräumarbeiten. Zuerst musste den Bewohnern geholfen werden, deren Häuser stark beschädigt wurden. Jetzt (09.04.2019) haben die Arbeiten im Wald begonnen.

25 Hektar Wald in vier Minuten zerstört

Vier Minuten brauchte der Tornado am 13. März, um eine Fläche von 25 Hektar Wald dem Erdboden gleichzumachen. Das Ausmaß der Schäden wurde erst Tage später sichtbar. Nun rattern schwere Waldmaschinen zwischen Simmerath und Roetgen. Fußgänger bekommen den Lärm kaum mit. Das Gelände ist weiträumig abgesperrt. Es besteht Lebensgefahr, weil Bäume plötzlich umkippen könnten oder Äste herabstürzen.

Der Borkenkäfer und die Zeit sind der größte Feind

Mit 14 Waldarbeitern ist Gemeindeförster Wolfgang Klubert unterwegs. Es ist ein Kampf gegen die Zeit. Nicht nur, dass der Borkenkäfer sich in den umgestürzten Bäumen schnell verbreiten könnte, es geht auch darum, möglichst viel Gewinn mit dem Verkauf des Holzes zu machen - deshalb müssen Wolfgang Klubert und sein Team schnell handeln. Weil Winterstürme bundesweit in den Wäldern wüteten, wird der Markt derzeit mit Holz überschwemmt. Die Folge: Wer nicht schnell genug abholzt, der bekommt immer weniger Geld.

Drei Monate werden die Arbeiten dauern

Drei Monate lang sollen die Forstarbeiten dauern. Damit es schneller geht, werden die Stämme im Akkord mit Spezialmaschinen gefällt, abtransportiert und zu den Sägewerken gebracht. 15.000 Kubikmeter sind es, die in den kommenden Wochen und Monaten zu Spanplatten, Europaletten oder Möbeln verarbeitet werden. Das sind dreimal soviel wie dieses Jahr eigentlich an Holz in der Gemeinde Roetgen hätten geschlagen werden sollen.

Ordnung mus ins Chaos

Maschine räumt Wald bei Roetgen auf

Als die Waldarbeiter das erste Mal vor der Schneise umgekippter Bäume standen, so sagen sie, war es das blanke Chaos. Planung ist jetzt wichtig, damit die Arbeiten in der vorgegebenen Zeit erledigt werden können. Die übernimmt Gemeindeförster Klubert. Auf seine Arbeiter kann er sich verlassen, sagt er. Beispielsweise auf Thomas Rüttgers. Schon dessen Vater und Großvater nahmen ihn als Kind mit in den Wald. Außerdem hat Thomas Rüttgers nicht den ersten Sturm erlebt. Dennoch: Trotz aller Routine ist der Job gefährlich.

Schaden im Wald beträgt eine Million Euro

Nahaufnahme abgeholzter Baumstamm nach Tornado in Wald bei Roetgen

Nicht nur für die Menschen, die in Roetgen ihr Dach über dem Kopf verloren haben, war der Tornado der reinste Horror - auch für Förster Klubert. Der Wirbelsturm, sagt er, habe anschaulich vor Augen geführt, wie die Menschheit immer noch den Naturgewalten ausgesetzt sei. Dazu komme der wirtschaftliche Schaden, der etwa eine Million Euro beträgt.

Douglasien und Buchen werden gepflanzt

Damit künftig wieder Menschen durch den Wald bei Roetgen spazieren gehen können, wird er wieder aufgeforstet. Das dauert Jahrzehnte. Fichten sollen nicht mehr gepflanzt werden, nur noch Douglasien und Buchen. Das ist dem Klimawandel geschuldet. Buchen und Douglasien können nämlich den steigenden Temperaturen, die die Klimaforscher für die nächsten Jahrzehnte prognostizieren, besser widerstehen.

Forstarbeiten nach dem Tornado in Roetgen

00:27 Min. Verfügbar bis 09.04.2020

Stand: 09.04.2019, 16:09