Rhein als Grenze des Römischen Reichs soll Welterbe werden

Römische Soldaten marschieren

Rhein als Grenze des Römischen Reichs soll Welterbe werden

Von Ditmar Doerner / Mihri Basar

  • Niedergermanischer Limes soll UNESCO-Weltkulturerbe werden
  • Rhein war Grenze und Transportweg
  • Einflüsse der Römer sind heute noch zu sehen

Der römische Rhein ist dem Titel "Weltkulturerbe" einen Schritt näher: Am Donnerstagnachmittag (09.01.2020) ist ein entsprechender Antrag bei der UNESCO in Paris angekommen.

Antragsteller sind offiziell die Niederlande, die deutschen Bundesländer NRW und Rheinland-Pfalz beteiligen sich. Über den niedergermanischen Limes soll die Kulturorganisation der Vereinten Nationen im Sommer 2021 entscheiden.

Römisches Rheinland

Das Rheinland vor 2.000 Jahren war römisch. Vor allem Soldaten lagerten in der Nähe des Rheins. Dort bauten sie ihre Kastelle, Wachtürme und Legionslager. Und sie hinterließen Spuren. Bis heute. Soldatenhelme, Sandalen, Münzen, Amphoren, immer wieder graben Archäologen entlang des Rheins diese Überbleibsel des römischen Imperiums aus.

Spuren der Römer am Rhein

Die Römer siedelten überall entlang des Rheins. Von Bonn im Süden Nordrhein-Westfalens bis nach Xanten können wir auf ihren Spuren wandeln.

Entdeckte ehemalige Römersiedlung am Bundeshaus Bonn

In Bonn wurden unmittelbar vor dem alten Bundestag im Jahr 2006 die Überreste einer römischen Siedlung mit massiven Steinbauten und Straßen freigelegt.

In Bonn wurden unmittelbar vor dem alten Bundestag im Jahr 2006 die Überreste einer römischen Siedlung mit massiven Steinbauten und Straßen freigelegt.

Die Römer identifizierten sich so sehr mit der Region, dass sie sich sogar hier haben bestatten lassen, wie diese Nachgüsse römischer Grabsteine in den Rheinauen bei Bonn zeigen.

Die illuminierten Reste des antiken Prätoriums in Köln. Das Prätorium war der Sitz des römischen Stadthalters. Mit ursprünglich 34 Hektar Grundfläche gehörte es zu den größten Bauwerken in Niedergermanien.

Der Wachturm gehört zur ehemaligen römischen Befestigungsanlage des Niedergermanischen Limes und steht im Neusser Stadtteil Grimlinghausen.

Die Agrippastraße war eine der wichtigsten Handelsrouten der Römer in Germanien. Einst zog sie sich von Trier bis nach Köln. Auch heute noch können wir viele Teilstücke der ehemaligen Römerstraße begehen.

In Monheim steht das Haus Bürgel. Die mittelalterliche Anlage basiert im Grundriss auf einer ehemaligen römischen Militärfestung und beherbergt heute u.a. ein römisches Museum.

Und auch etwas abseits des Rheins lassen sich Spuren der Römer finden. Im Kreis Recklinghausen stehen mehrere römische Militäranlagen. Das Römermuseum in Haltern zeigt einen Nachbau einer Festungsanlage, die von den Römern nach der Varusschlacht allerdings wieder verlassen wurde.

Die Tongefäße wurden in der römischen Siedlung Asciburgium im heutigen Moers-Asberg gefunden. Die Ausstellungsstücke können im Niederrheinischen Landschaftsmuseum Burg Linn in Krefeld begutachtet werden.

Der Hafentempel im Archäologischen Park in Xanten. Da der "alte" Rhein damals noch unmittelbar an der Römersiedlung vorbeiführte, konnten Reisende, die sich über den Fluss der Siedlung näherten, den beeindruckenden Bau schon von Weitem sehen.

Die Gebäude im Römischen Reich waren keineswegs in klassischem Weiß gehalten, wie der Anschein es vermag. Die Römer mochten es ausgesprochen bunt, wie die Nachbildung eines Säulenkapitels im LVR Archäologischen Park Xanten beweist.

Die Rekonstruktion des imposanten Nordtores der ehemaligen Römersiedlung "Colonia Ulpia" auf dem Gelände des heutigen LVR Archäologischen Parks Xanten. Der Park gilt als bedeutenste archäologische Grabungsstätte nördlich der Alpen.

Einer von ihnen ist der Bonner Archäologe Steve Bödecker, zuständig für Bodendenkmalpflege im Landschaftsverband Rheinland. Er erzählt: "Ein ganz besonderer Fund war der erste Nachweis von römischen Pferdeäpfeln hier im Rheinland. Da haben wir gesehen, wo das Pferd gegrast hat, was es zu fressen bekommen hat, wie die Wiese aussah, und das sind doch sehr direkte Einblicke."

Was sich profan anhört, ist wichtig. Denn es gibt exakte Einblicke in das antike Leben am Rhein zwischen Rheinbrohl in Rheinland-Pfalz über Bonn und Köln bis nach Katweik an der Nordsee. Für die Römer besaß der Fluss eine sehr große Bedeutung.

Grenze des römischen Reiches soll Weltkulturerbe werden 00:29 Min. Verfügbar bis 08.01.2021

Rhein war Grenze und Transportweg

Ganz grob gesagt sahen die Römer im Rhein die Grenze zwischen dem gallischen - und dem germanischen Raum, auch wenn das im Detail nie so ganz stimmte. Aber im Großen war das auch so, wie Napoleon das gesehen hatte.

Der Rhein war nicht nur Grenze, nicht nur ein, in NRW 220 Kilometer langer, militärischer Stützpunkt. Der Rhein verband Regionen, die zu Fuß damals so gut wie nicht zu bewältigen waren.

"Er war einfach ein Transportweg, wie er das heute auch noch ist. Eine der Hauptautobahnen für den Waren- und den Personenverkehr, auf dem dann aber auch Ideen und kulturelle Phänomene transportiert wurden. Und so war der Rhein immer eine ganz wichtige Verkehrs- und Kulturachse für die Römer", erklärt Bödecker.

Stand: 09.01.2020, 15:03