Eine Betonwand mit der Aufschrift ,,Justizzentrum Aachen"

Nach Schüssen auf Wohnhaus: Rocker-Prozess in Aachen

Stand: 24.01.2022, 08:41 Uhr

Wegen eines Mordversuchs stehen seit Montag heute zwei mutmaßliche Rocker vor dem Aachener Schwurgericht. Die Männer sollen im April auf ein Wohnhaus in Düren geschossen haben.

Von Helga Lennartz

06. April 2021, kurz vor sechs Uhr morgens: Schüsse schrecken die Bewohner eines Mehrfamilienhauses in Düren auf. Projektile schlagen tief in die Fassade und den Rollladen einer Parterrewohnung ein. Die Ermittlungen werden später ergeben, geschossen wurde aus einem Maschinengewehr, mindestens dreizehn Mal.

Zunächst ist unklar, wer und was hinter der Tat steckt. Die Polizei startet daher einen Zeugenaufruf in den Medien und setzt eine Belohnung für entscheidende Hinweise aus. 

Rocker in Untersuchungshaft 

Am 23. Juni wird der erste mutmaßliche Schütze festgenommen, ein 35-Jähriger aus Niederzier. Eine Woche später setzt die Polizei einen damals 32-Jährigen aus dem gleichen Ort fest. Die Männer kommen wegen versuchten Mordes in Untersuchungshaft.

Die Tatverdächtigen sollen beide den inzwischen verbotenen "Bandidos" angehören. Die Rocker-Gruppierung wird immer wieder mit Schutzgelderpressung, Prostitution, Gewalttaten und Drogengeschäften in Verbindung gebracht.

Strafaktion wegen Geldschulden?

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass die Schüsse auf das Dürener Haus eine Bestrafungsaktion der "Bandidos" war. Einer der Bewohner hätte den Rockern noch eine fünfstellige Summe aus einem gescheiterten Drogengeschäft geschuldet, heißt es in der Anklage.

Heimtückisch und aus niederen Beweggründen hätten die Rocker gezielt das Feuer auf jene Wohnung eröffnet, in der sich der mutmaßliche Schuldner mit seiner Lebensgefährtin, dem gemeinsamen Kind und seinem Schwager aufhielt. Dabei hätten die "Bandidos", so der Vorwurf, den Tod dieser Menschen billigend die Kauf genommen.

Rocker-Prozess in Aachen

00:27 Min. Verfügbar bis 20.01.2023


35-Jähriger auch wegen Sexualdelikten an Kindern angeklagt

Vor Gericht geht es aber nicht nur um die Aufklärung des versuchten Mordes. Dem älteren Angeklagten wird zudem sexueller Missbrauch und Herstellung von kinderpornografischen Bildern vorgeworfen. Laut Anklage waren vier Kinder aus dem persönlichen Umfeld des 35-Jährigen betroffen, darunter auch seine 13 Jahre alte Tochter. Die anderen Opfer sollen zwei bis fünf Jahre alt gewesen sein.

Neun Verhandlungstage hat das Schwurgericht bislang für den Prozess eingeplant. Mit den Urteilen ist für Mitte Februar zu rechnen.