Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Rinderexporten aus NRW

Kälber werden auf einem LKW transportiert.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Rinderexporten aus NRW

  • Rhein-Sieg-Kreis ist Umschlagplatz für Rinderexporte
  • Tierexporte in Nicht-EU-Staaten verstoßen oft gegen EU-Tierschutzverordnung
  • Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt wegen Verdachts auf Tierquälerei

Das Land NRW hat Langstrecken-Tiertransporte bis auf weiteres ausgesetzt. Der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises Sebastian Schuster begrüßt die Entscheidung des Landes, lange Tierexporte in Drittstaaten auszusetzen. Aus dem Rhein-Sieg-Kreis starteten in der Vergangenheit immer wieder Tiertransporte in Staaten außerhalb der EU.

Veterinäre der Region hatten zuvor Rindertransporte in Nicht-EU-Staaten genehmigt, obwohl diese häufig gegen die Tierschutzverordnung der EU verstoßen. Das haben Recherchen des Rundfunk Berlin Brandenburg ergeben. Demnach ist der Rhein-Sieg-Kreis einer von bundesweit neun Landkreisen, die für fast alle Exporte in sogenannte Tierschutz-Hochrisiko-Staaten verantwortlich sind.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Inzwischen ermitteln die Staatsanwaltschaften unter anderem in Bonn und Münster wegen des Verdachts auf Tierquälerei. Dabei geht es nach ARD-Informationen um Transporte lebender Rinder in Länder ohne ausreichende Tierschutzstandards, zum Beispiel Kasachstan, Libyen und Iran. Die Ermittlungen richten sich gegen Verantwortliche in Veterinärämtern und Transportfirmen.

Tierexporte in anderen Bundesländern verboten

Die Transporte gehen oft sogar bis ins 3.000 Kilometer entfernte Marokko oder nach Algerien. Und weil dort immer wieder gegen Tierschutzstandards wie Auslauf- oder Ruhzeiten verstoßen wird, gibt es aus Bayern, Hessen und Schleswig Holstein Exportverbote für diese Länder.

1.868 Rinder aus Rhein-Sieg-Kreis exportiert

Die Verbote umgehen die Händler, indem sie die Rinder zunächst etwa in den Rhein-Sieg-Kreis schicken. So ist der Kreis zu einem Umschlagplatz für Rinderexporte geworden.

Von Januar 2019 bis Februar 2020 wurden aus dem Rhein-Sieg-Kreis insgesamt 1.868 Rinder in Tierschutz-Hochrisiko-Staaten exportiert.

Kreis sieht die Landesbehörden in der Verantwortung

Der Rhein-Sieg-Kreis bestätigte die genehmigten Tiertransporte und sagte, dass man sie nicht verhindern könne, wenn die geforderten Nachweise da wären. Außerdem habe man die Landesbehörden immer wieder auf die Probleme hingewiesen.

Stand: 04.08.2020, 09:42

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