Aachener Bauern klagen gegen Tötung ihrer Rinder

Schnauze einer Kuh mit Rinderherpes

Aachener Bauern klagen gegen Tötung ihrer Rinder

  • 700 Tiere mit Rinderherpes infiziert
  • Urteil am Aachener Verwaltungsgericht verschoben
  • Rinder ohne Krankheitssymptome
  • Virus für Menschen unbedenklich

Vor dem Aachener Verwaltungsgericht ist am Montag (03.02.2020) heftig um die behördlich angeordnete Tötung von 700 Milchrindern gestritten worden. Ein Urteil fiel allerdings nicht. Am 09. März 2020 soll der Prozess weitergehen.

Prozess kann sich hinziehen

Noch leben die Rinder und scheinen völlig gesund. Wie am Montag bekannt wurde, wird die Städteregion auf ihre Tötung so lange verzichten, bis alle gerichtlichen Instanzen durchwandert sind. Das kann dauern, denn der Fall ist auch bei Tiermedizinern umstritten.

Es gibt viele Fragen: Beweisen Antikörper überhaupt eine Infektion? Müssen betroffene Rinder wirklich getötet werden, um eine Ausbreitung zu verhindern? Oder hilft eine Impfung und strenge Quarantäne?

Bei den meisten Tieren waren im vergangenen Jahr Antikörper gegen den Rinderherpes entdeckt worden – ein Virus, das für Menschen ungefährlich ist. Ihre Besitzer, drei Milchbauern aus Aachen, klagen gegen die Schlachtung.

Virus für Rinder hochansteckend

Im vergangenen Jahr waren bei Routinekontrollen im Blut ihrer Rinder Antikörper gegen das Bovine Herpesvirus 1 (BHV1) entdeckt worden - ein Hinweis auf eine Infizierung.

Rinderherpes zählt in Deutschland zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen. Bricht die Krankheit aus, kann es zu Fieber, Entzündungen und Unfruchtbarkeit kommen, auch zu Fehlgeburten bei tragenden Kühen. Um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern, ordnete die Städteregion Aachen die Tötung aller Tiere an.

Bauern fordern Quarantäne statt Massentötung

Dabei orientierte sie sich an der bundesweit geltenden BHV1-Verordnung, die die Landwirte kritisieren. Die Bundesrepublik wolle damit nur ihren Status "BHV1-frei" behalten, um die Tiere besser vermarkten zu können.

In anderen Staaten würden infizierte Rinder nicht getötet, sagt ein Betroffener. Er spricht von sinnloser Massentötung. Strenge Quarantäne- und Hygienemaßnahmen seien völlig ausreichend. Außerdem sei der Verzehr von Milch und Fleisch für Menschen unbedenklich.

Breite Unterstützung für Landwirte

Die Landwirte erfahren viel Unterstützung, etwa vom Bauernbund Brandenburg sowie von mehr als 76.000 Bürgern, die eine Petition gegen die Rindertötung unterschrieben haben.

Prozess Rinderprozess

00:23 Min. Verfügbar bis 03.02.2021

Stand: 03.02.2020, 16:30