Rassismus am Bonner Rheinufer?

Rassismus am Rheinufer? Lokalzeit Live 17.06.2021 02:42 Min. Verfügbar bis 17.06.2022 WDR Bonn Von Gisela Hartmann

Rassismus am Bonner Rheinufer?

Ein bisschen was Lebensbejahendes, das will ein Bonner Künstler mit seinen Fotografien im öffentlichen Raum bewirken. Als Zeichen gegen die Pandemie und den sich ausbreitenden Pessimismus. "Kunstspaziergang am Rhein" hat er seine Aktion im ehemaligen Regierungsviertel genannt. Die Aktion ist von der Stadt genehmigt.  Doch dann fielen seine Bilder Vandalen zum Opfer – und die hatten offenbar sogar rassistische Motive.  

Eigentlich will der Fotograf Till Eitel den Bonnern eine Freude bereiten. Anfang Juni hat er eine Fotoausstellung ans Rheinufer gehängt: 40 Porträts von Menschen in Paris sind auf den Fotos zu sehen. Er hat seine Bilder an Laternen befestigt.

Doch was dann kommt, damit hat er nicht gerechnet: 19 der 40 Bilder hängen schon nach 36 Stunden nicht mehr. "s gab Bilder mit Menschen mit dunkler Hautfarbe, mit orthodoxen Juden, mit einem Männerpaar – alle diese Bilder sind runtergerissen worden", erzählt der Fotograf geschockt. 

Die Stadt hatte die Ausstellung genehmigt

Fast alle Bilder hat er später an der Uferböschung oder neben den Laternen wiedergefunden. "So als wollte jemand ein Zeichen setzen, dass diese Menschen hier nicht gern gesehen sind", ergänzt er. Die Ausstellung hat sich Till Eitel von der Stadt genehmigen lassen, finanziert hat er sie aus eigener Tasche.

Ein Foto als Austellungsstück einer Kunstausstellung am Bonner Rheinufer

Der Staatsschutz ermittelt

Dass so etwas ausgerechnet im ehemaligen Regierungsviertel passiert, findet Till Eitel schlimm. Denn eigentlich liebt er Bonn besonders wegen seiner Weltoffenheit und Gastfreundschaft. Die rassistische Zerstörung hat er bei der Bonner Polizei angezeigt.

Wegen des Verdachts einer politisch motivierten Straftat, ist jetzt der Staatsschutz eingeschaltet, so die Bonner Polizei. Sie bittet Zeugen, die etwas beobachtet haben, sich zu melden. Bisher seien aber keine Hinweise eingegangen.

Viele Passanten sind empört

Till Eitel will sich nicht mit der Zerstörung abfinden. Er hat Plakate drucken lassen und darauf beschrieben, was passiert ist. Außerdem zeigt er dort nochmal alle 19 abgerissenen Fotos als Miniatur-Bilder.

Viele Spaziergänger am Rheinufer bleiben stehen und lesen den Text. "Das ist echt blamabel für die ehemalige Bundeshauptstadt", sagt ein Passant. Und eine Spaziergängerin erklärt, dass sie Bonn immer für weltoffen gehalten habe. Sie sei schockiert über die mutwillige  Zerstörung.

Die Fotoausstellung sollte eigentlich nur noch diese Woche hängen. Jetzt hat Till Eitel sie um eine Woche verlängert, bis zum 24. Juni. Er ist vor allem traurig: "Mir geht es nicht um den finanziellen Verlust der Bilder, der ist zu verschmerzen. Aber man darf nicht vergessen: hier wurden nicht Bilder runtergerissen, die künstlerisch nicht gefielen. Hier wurden Menschen runtergerissen."

Stand: 18.06.2021, 11:46

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