Revierkonferenz Erkelenz: Die Zukunft der Braunkohledörfer

Ein Bagger fährt vor der Kulisse des RWE-Kraftwerkes Niederaußem durch den Tagebau Garzweiler in der Nähe von Grevenbroich Braunkohle

Revierkonferenz Erkelenz: Die Zukunft der Braunkohledörfer

Von Thomas Wenkert

  • Große Unsicherheit in den Umsiedlungsdörfern
  • Strukturwandel ist eine große Herausforderung
  • 1.000 neue Jobs pro Jahr?

Nach der Empfehlung der Berliner Kohlekommission, aus der Braunkohle bis spätestens 2038 auszusteigen, steht das Rheinische Revier vor großen Herausforderungen. NRW-Ministerpräsident Laschet will sich Dienstag (19.02.2019) auf einer Revierkonferenz in Erkelenz zu dem Kohlekompromiss äußern und auch deutlich aufzeigen, auf welche Schwerpunkte NRW beim nun anstehenden Strukturwandel setzt. Der CDU-Politiker wird von seinem Wirtschaftsminister – Andreas Pinkwart – begleitet.

Zerrissenheit in den Umsiedlungsdörfern

"Die Unsicherheit in den Umsiedlungsdörfern ist groß. Es gibt eine große Zerrissenheit", so der Erkelenzer Bürgermeister Peter Jansen im Vorfeld der Revierkonferenz. Fünf Erkelenzer Ortschaften werden derzeit für den heranrückenden Tagebaue Garzweiler II umgesiedelt. Davon betroffen sind rund 1.500 Menschen. Der Kohlekompromiss hat dazu geführt, dass viele Menschen wieder die Hoffnung haben, die Dörfer könnten erhalten bleiben. Doch dazu, erklärt Jansen, müsse der Tagebau um ein Drittel verkleinert werden. Der RWE-Konzern hat bereits deutlich gemacht, dass er die gesamte Abbaufläche von Garzweiler für die künftige Energieversorgung benötigt.

Ein weiterer Zankapfel ist der Abstand des Tagebaus zu jenen Dörfern, die künftig am Abbaurand liegen. Die Stadt Erkelenz fordert einen Mindestabstand von 500 Metern, die betroffenen Orte fordert sogar einen Mindestabstand von einen Kilometer.

Neue Leitentscheidung in Vorbereitung

Von NRW-Ministerpräsident Laschet erhofft sich die Stadt klare Aussagen. Bisher hat das Land betont, dass so schnell wie möglich eine neue Leitentscheidung erarbeitet werden soll. In einer solchen Entscheidung wird die Laufzeit und die Abbaugröße der drei Tagebaue im Rheinischen Revier – Inden, Hambach und Garzweiler – geregelt. Vor allem solle ein Stillstand der Tagebaue verhindert werden. Eine neue Leitentscheidung werde aber rund zwei Jahre in Anspruch nehmen, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Im Rahmen des Strukturwandels sollen jedes Jahr rund 1.000 neue Jobs im Revier geschaffen werden. Dafür müsste jedes Jahr eine 40 Hektar große neue Industriefläche besiedelt werden, so Berechnungen des Ministeriums. Vor allem die bisherigen Kraftwerksstandorte sollen dafür genutzt werden.

Zukunftsfelder im Rheinischen Revier

Bei der Revierkonferenz wird auch ein Blick in die Zukunft geworfen. 15 Milliarden Euro wird das Land NRW in den kommenden 20 Jahren an Strukturhilfe vom Bund bekommen. Unter anderem soll der Nahverkehr verbessert werden. Nordrhein-Westfalen will aber auch ohne Braunkohle ein Energierevier bleiben. Pläne sehen zum Beispiel den Bau von Wärmespeicherkraftwerken vor oder die Produktion von Batteriezellen. Aber auch im Bereich Landwirtschaft will NRW innovativer werden. Mit diesen Themen wird sich heute auch die Revierkonferenz in Erkelenz beschäftigten.  

Stand: 19.02.2019, 09:09