Köln: Wenige Dokumente nach Archiv-Einsturz repariert

Köln: Wenige Dokumente nach Archiv-Einsturz repariert

  • Rund ein Zehntel der Dokumente restauriert
  • Restaurierung dauert mindestens 30 Jahre bis 40 Jahre
  • Entschädigungsfrage wird Gerichte beschäftigen

Knapp neun Jahre nach dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln ist etwa ein Zehntel der Dokumente restauriert, sagte die Leiterin des Archivs, Bettina Schmidt-Czaia, am Donnerstag (11.01.2018).

Arbeit für viele Jahrzehnte

Es dauert mindestens 30 bis 40 Jahre, bis die nach dem Einsturz des Historischen Archivs geborgenen Archivalien Forschern und geschichtsinteressierten Bürgern zur Verfügung gestellt werden können. 95 Prozent des Archivguts seien geborgen worden. Die letzten fünf Prozent gelten als verloren.

Riesiger Restaurierungs-Aufwand

Jeder Schnipsel muss gereinigt werden

Der kleinste Schipsel wird gereinigt

"Einen vergleichbaren Fall hat es bisher noch nicht gegeben", sagt die Leiterin des Archivs, Bettina Schmidt-Czaia. 4.000 freiwillige Helfer hatten mehr als eine Million Kisten und Kästen mit Schriften, Büchern, Fotos und Karten aus dem Schlamm der Baugrube an der Einsturzstelle geborgen und sortiert. Dann wurden die Dokumente in Dutzende Archive in ganz Deutschland transportiert.

Bevor die Archivalien vom Jahr 2020 an im neuen Kölner Archiv eingelagert werden können, müssen sie gefriergetrocknet und gereinigt werden. Papierschnipsel müssen wieder zu ganzen Seiten zusammengesetzt, ganze Seiten wieder Schriften oder Büchern zugeordnet werden. Dafür sind Trockengefriermaschinen und Schnipselsortiergeräte im Einsatz. Hunderte Restauratoren und Helfer erledigen viele Aufgaben per Hand.

Geschätzte Kosten für Restaurierung

Alle Dokumente werden fotografisch dokumentiert

Restauratorin fotografiert Dokumente

Die Restaurierung wird nach Experteneinschätzung insgesamt bis zu 400 Millionen Euro kosten. Weitere 80 Millionen fallen für das geplante neue Archivgebäude an. Insgesamt geht die Stadt von einem Schaden in Höhe von 1,2 Milliarden Euro aus.

Offen, wer Entschädigung zahlt

Ein Gutachter versucht seit Jahren zu klären, wer die Verantwortung für den Einsturz des Archivgebäudes trägt. Sind es am U-Bahnbau beteiligte Firmen oder die Kölner Verkehrsbetriebe? Ob sich jemals beweisen lässt, wer schuld war und Schadenersatz zahlen muss, ist unklar.

Strafprozess beginnt in einer Woche

Am kommenden Mittwoch (17.01.2018) beginnt vor dem Landgericht Köln der Strafprozess gegen fünf Angeklagte, die für den Einsturz des Archivs am 03.03.2009 mitverantwortlich sein sollen. Angenommen wird, dass Bauarbeiten an einer U-Bahn-Haltestelle das Unglück verursacht hatten.

Stand: 11.01.2018, 14:16