Remscheider Spediteur verklagt Lkw-Hersteller

Karthaus LKW geparkt.

Remscheider Spediteur verklagt Lkw-Hersteller

Von Michaela Heiser

  • Schadenersatzklage von 3.000 Spediteuren aus 26 Ländern
  • Rechtsdienstleister klagt für Spediteure
  • Schadenssumme fast 870 Millionen Euro

Vor dem Landgericht München hat am Donnerstag (24.10.2019) der bisher größte Prozess in Deutschland gegen das sogenannte Lkw-Kartell begonnen. Einer der Kläger: Ein Spediteur aus Remscheid.

Er klagt gemeinsam mit mehr als 3.000 Kollegen. Der Unternehmer glaubt, er habe zu viel für seine Laster bezahlt, weil die Hersteller über Jahre die Listenpreise abgesprochen hatten.

Rechtsdienstleister übernimmt die Klage der Spediteure

Ralf Karthaus und viele andere Spediteure haben ihre Ansprüche an den Rechtsdienstleister Financialright claims abgetreten. Der fordert von sechs großen Lkw-Herstellern, Daimler, Volvo/Renault, DAF, MAN und Iveco, jetzt fast 870 Millionen Euro Schadenersatz.

Karthaus setzt große Hoffnungen in das Verfahren: "Ich wünsche mir, dass die deutsche Justiz dem Treiben des Kartells ein Ende macht und hohe Strafen verhängt."

Streit um die Zulässigkeit der Klage

Zunächst befasste sich das Gericht am Donnerstag (24.10.2019) mit der Zulässigkeit der Klage. Die Klage sei nach vorläufiger Einschätzung ordnungsgemäß erhoben worden, betonte die Vorsitzende Richterin dazu.

Die Anwälte der Hersteller wollten die Klage verhindern, indem sie unter anderem argumentierten, dass der klagende Rechtsdienstleister nicht geschädigt worden sei.

Spediteure wollen Geld zurück

14 Jahre lang hatten die Lkw-Hersteller miteinander die Listenpreise abgesprochen. Das fand die EU-Kommission heraus und verhängte eine Geldbuße von fast vier Milliarden Euro.

"Mehr als eine Million zu viel bezahlt"

Ralf Karthaus geht davon aus, dass er wegen der Absprachen mehr als eine Million Euro zu viel für seine Daimler-Laster bezahlt hat. Daimler ist nur einer von insgesamt sechs beklagten Herstellern.

Ralf Karthaus vor einem seiner Lkw

Ralf Karthaus

Auf WDR-Anfrage erklärt das Unternehmen: "Die EU-Kommission hat zur Frage eines Schadens für die Kunden in ihrer Entscheidung nichts festgestellt."

Verfahren kann noch Jahre dauern

Neben der Zulässigkeit der Klage muss das Landgericht München klären, ob die Spediteure tatsächlich zu viel für ihre Lkw gezahlt haben. Das Verfahren wird nach Einschätzung von Experten Jahre dauern - falls es von der Vorsitzenden Richterin aus formalen Gründen nicht doch vorzeitig beendet wird.

Stand: 24.10.2019, 21:49