Remscheider Bestatter gibt falsche Asche heraus

Remscheid: Rätselhafter Streit um eine Urne Lokalzeit Bergisches Land 05.03.2021 03:12 Min. Verfügbar bis 08.03.2022 WDR Von Wolfram Lumpe

Remscheider Bestatter gibt falsche Asche heraus

Kurioser Fall vor dem Wuppertaler Landgericht: Ein Bestatter aus Remscheid muss nun 2.000 Euro zahlen, weil er die falsche Asche einer Verstorbenen an die Tochter geschickt hat.

Fast anderthalb Jahre sucht eine Berlinerin die Asche ihrer verstorbenen Mutter, die unter amtlicher Betreuung stand. Sie findet heraus, dass die Asche von einem Berliner an einen Remscheider Bestatter geschickt wurde. Warum, bleibt auch nach einem Prozess vor dem Wuppertaler Landgericht völlig unklar. Als die Tochter die Urne mit Asche zurück wollte, bekam sie offenbar die Asche eines anderen Menschen geschickt.

Remscheider Bestatter zahlt Schmerzensgeld

"Es soll so gewesen sein, dass der Remscheider Bestatter die richtige Asche nach der Einäscherung auf einem Waldfriedhof beigesetzt habe," erklärte Gerichtssprecher Arnim Kolat am Freitag (04.03.2021). "Er habe sie dort in einem selbstauflösendem Behältnis niedergelegt. Und nachdem er aufgefordert worden war, die Asche wieder herauszugeben, sei er an diesen Platz zurückgekehrt und habe das Material dort vom Boden aufgenommen und in die Urne hinzugefügt." Zur Vollständigkeit: Der Waldfriedhof befindet sich in Belgien.

Ein Berliner Experte fand schließlich heraus, dass es nicht die Asche der Verstorbenen gewesen sein konnte. Deshalb klagt die Tochter nun gegen den Bestatter aus Remscheid. Vor Gericht entschuldigte sich der Bestatter nun - und wurde zur Zahlung von 2.000 Euro verurteilt.

Preisdruck vermutlich die Ursache

Für die Wuppertaler Beerdigungsunternehmerin Barbara Neunsel-Munckenbeck bleibt das Verhalten des Remscheiders Bestatters schockierend. "Wir sprechen hier von Menschen, auch wenn es sich nur um Asche handelt," erklärte sie und zeigte sich überzeugt, dass der Kostendruck die Ursache ist.

"Es geht um Überführungspreise von Verstorbenen. Denn da werden, wie man weiß, Verstorbene in großen Transportern – zu zehn oder zwanzig Verstorbenen – zum Krematorium transportiert. Und da kann man einfach einen anderen Preis anbieten. Und den nehmen dann einige Angehörige oder auch Ordnungsämter gerne wahr.", so Neunsel-Munckenbeck weiter.

Stand: 05.03.2021, 20:04