So viele Balkanflüchtlinge wie nie in Köln

Menschen verlassen ein Gebäude

So viele Balkanflüchtlinge wie nie in Köln

Von Sabine Büttner

  • Zahl der Balkanflüchtlinge auf Rekordhoch
  • Notunterkünfte wieder in Betrieb
  • Offenbar organisierte Fahrten nach Köln

Sie hoffen auf eine Unterkunft, medizinische Hilfe, Verpflegung. Schon seit Jahren zählt die Stadt Köln im Winter viele Flüchtlinge aus den Balkanstaaten.

Doch diesmal waren es seit Oktober 2018 mehr als 2.700 Menschen – ein Rekord, sagt Josef Ludwig vom Amt für Wohnungswesen dem WDR auf Anfrage. Im selben Zeitraum des Vorjahres kamen etwa 1.000 Menschen weniger.

Balkan-Flüchtlinge: Überwintern in Köln

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 04.02.2019 03:39 Min. Verfügbar bis 03.02.2020 WDR 5 Von Sabine Büttner

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Und Köln steht mit diesen Zahlen im NRW-Vergleich allein da. Ludwig hat sich mit anderen Großstädten ausgetauscht, die zählen nur eine "Handvoll" Geflüchteter, sagt er. Mittlerweile sind die Zahlen aber auch in Köln wieder rückläufig.

Weil die Menschen als obdachlos gelten, ist die Stadt verpflichtet, sie unterzubringen. Ludwig organisierte Personal und ließ bereits geschlossene Notunterkünfte wieder in Betrieb nehmen.

Teils mussten sogar Feldbetten in Aufenthaltsräumen aufgestellt werden, um den Menschen einen Platz zum Schlafen zu geben.

Schwierige Lebensumstände in den Heimatländern

Frau

Marita Bosbach

Im Stadtteil Ossendorf hat das Deutsche Rote Kreuz die Betreuung der Geflüchteten in der Notunterkunft übernommen. Derzeit leben dort knapp 130 Menschen, vor wenigen Wochen waren es noch weit mehr als 200. Marita Bosbach vom DRK kann sich gut vorstellen, was die Menschen vom Balkan nach Köln geführt hat: Die Lebensumstände in ihrer Heimat.

Viele der Geflüchteten haben keine winterfeste Wohnung und keine Möglichkeit, zu heizen. Bosbach und die anderen Helfer erleben es sehr oft, dass die Menschen krank sind, wenn sie in Köln ankommen. In ihrer Heimat ist die medizinische Versorgung oft schlecht, erzählt Bosbach.

Organisierte Fahrten nach Köln

Offenbar sehen die Flüchtlinge in der Reise nach Köln eine Möglichkeit, zumindest für eine gewisse Zeit ihre Lage zu verbessern. Vor allem aus Mazedonien kamen zuletzt viele Menschen, berichtet Josef Ludwig vom Amt für Wohnungswesen. Die Stadt vermutet, dass auch Strukturen dahinter stehen.

Auffällig häufig kamen zum Beispiel Menschen aus Bitola nach Köln, der drittgrößten Stadt Mazedoniens. Recherchen des WDR vor Ort zeigen, dass dort regelrecht Werbung gemacht wird; etwa für eine Fahrt im Reisebus nach Köln für 90 Euro.

Hier angekommen, werden die Menschen in die Notunterkünfte gebracht, wo sie einige Wochen oder Monate leben.

Zurück in die Heimat

Doch irgendwann müssen sie die Stadt verlassen. Serbien, Albanien und Mazedonien gelten als sichere Herkunftsländer. Die meisten Flüchtlinge müssen deshalb irgendwann aus Köln zurück in ihre Heimat.

Stand: 04.02.2019, 08:43