Reker: "Wir stehen an der Schwelle zur Unbeherrschbarkeit"

Henriette Reker am 30.10.2020 auf einer Pressekonferenz in Köln.

Reker: "Wir stehen an der Schwelle zur Unbeherrschbarkeit"

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat nach einer Sitzung des Corona-Krisenstabes die Situation in der Stadt beschrieben. Die Lage spitze sich zu.

Das spüre man vor allem im Gesundheitssystem, so Reker. Die Kölner Krankenhäuser seien gebeten worden, ihren Regelbetrieb, also Behandlungen und Operationen, die nicht zwingend nötig sind, herunterzufahren.

Viele Intensivbetten würden für Corona-Behandlungen gebraucht. Schon jetzt seien nur noch zehn Prozent der Kölner Intensivbetten frei.

Kölner OB Henriette Reker: Kontaktnachverfolgung von Infizierten schwierig

Auch in Senioren- und Pflegeheimen sei die Lage angespannt. Besucher dürfen nur noch mit FFP-1-Masken in die Heime. Ob durch die Verbote ab November die Ansteckungen abnehmen, könne man erst mit einem Zeitverzug von zwei bis drei Wochen sehen, sagte Reker.

Die Oberbürgermeisterin mahnte: "Wir stehen an der Schwelle zur Unbeherrschbarkeit." Vor allem, weil die Kontaktnachverfolgung von Infizierten nicht mehr vollständig möglich sei.

Gesundheitsamt Köln stellt 80 neue Mitarbeiter ein

Das Gesundheitsamt wird ab Montag von insgesamt 94 Bundeswehrsoldaten und 80 neu eingestellten Mitarbeitern unterstützt. Die Menschen sollten die Maßnahmen einhalten, sagte Feuerwehrchef Christian Miller - die Lage sei besorgniserregend.

Wie weit verbreitet das Corona-Virus in der Kölner Bevölkerung inzwischen ist, zeigt der Anteil der positiven Tests: 7,4 Prozent der in den vergangenen sieben Tagen in Köln getesteten Menschen erhielten ein positives Ergebnis. Zum Vergleich: In der ersten Infektionswelle waren nur 1,2 Prozent der Tests positiv.

Mit Blick auf das bevorstehende Wochenende richtete Reker einen Appell an die Kölner: "Ich wünsche mir von allen, dass sie jetzt das einhalten, was ab Montag gesetzliche Vorgabe sein wird und dass wir nicht in den nächsten Tagen nochmal einen draufmachen können. Sonst bekommen wir nächste Woche die Quittung."

Stand: 30.10.2020, 14:57