Köln: Reker kehrt an Ort des Attentats auf sie zurück

Am Clarenbachplatz zerschneidet Henriette Reker das Flatterband, um den Wochenmarkt zu eröffnen

Köln: Reker kehrt an Ort des Attentats auf sie zurück

Von Jochen Hilgers

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker ist mehr als fünf Jahre nach dem Attentat auf sie an den damaligen Tatort zurückgekehrt. Ein Zeichen für Neuanfang  gleich in mehrfacher Hinsicht.

Sie habe gut geschlafen, versichert die Oberbürgermeisterin, als sie kurz vor neun Uhr aus ihrer Dienstlimousine steigt. Zeichen von Nervosität oder gar Furcht sind Fehlanzeige. Nur der sehr präsent geparkte Einsatzwagen der Polizei zeigt deutlich, dass es eben kein Standardtermin für die Oberbürgermeisterin ist.

Am Clarenbachplatz in Braunsfeld hätte sie beinahe am Tag vor der Kommunalwahl 2015 ihr Leben gelassen. So sagt sie auch, an diesem Platz habe sich ihr Schicksal, ihr Leben entschieden. Sie sei froh, dass der Attentäter sein Ziel eben nicht erreicht habe.

 Henriette Reker posiert  nach einer Pressekonferenz in Köln

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker

Es herrsche jetzt auf dem Clarenbachplatz urbanes Leben, Köln zeige seine Weltoffenheit. Und  genau das, ein friedliches Zusammenleben von vielen Menschen, habe der rechtsextremistische Attentäter ja verhindern wollen. Am Mittwoch ist sie dabei, als hier der Wochenmarkt losgeht. Der wurde jetzt nach langer Bauzeit wieder neu eröffnet. Der Termin hier helfe ihr, sagt sie.  

„Stark im Amt“ eine wichtige Aktion

Reker stellt sich geduldig den Reporterfragen. Ob sie tatsächlich so stark sei, wie es hier bei ihrem Auftritt wirke, lautet eine Frage. Reker lacht und sagt, dass sei vielleicht ihre Ignoranz, die mitunter auch helfe. Ihr gehe es richtig gut, versichert sie erneut lachend.

Dann wird sie wieder ernst. Es geht um das neue Portal „Stark im Amt“, eine Zentrale Anlaufstelle für bedrohte Kommunalpolitiker. Amtsträger sollen hier Informationen und Angebote bekommen, um Übergriffen vorzubeugen und Angriffe zu meistern. Das sei sehr wichtig, sagt die Frau, die durch ihr Amt fast gestorben wäre. Sie denke an junge Kollegen mit Familie. Die bräuchten sicher jede denkbare Unterstützung.

Abschied im strömenden Regen

Im Wahlkampf 2015 war die damalige Sozialdezernentin Henriette Reker am Clarenbachplatz niedergestochen worden. Der Attentäter gab später an, ihre  Flüchtlingspolitik habe ihn zu der Tat veranlasst.

Im strömenden Regen geht der denkwürdige Termin zu Ende. Man kann  den Eindruck bekommen, der Regen sei das Einzige, was der Kölner Oberbürgermeisterin wirklich etwas anhaben kann.

Stand: 05.05.2021, 11:50