Leere auf Reiterhof bringt Probleme

Der Reiterhof "Carlinenhof" in Sprockhövel mit Reitpädagogin Nicole Menger-Goltz und Pferd vor dem Stall

Leere auf Reiterhof bringt Probleme

Von Daniel Chur

Viele Reiterhöfe kämpfen jetzt im zweiten Lockdown um ihre Existenz, weil Reitunterricht monatelang verboten war. Und auch mit den Überbrückungsgeldern kann es Probleme geben.

"Immerhin gehen wieder Einzelstunden. Ein kleiner Lichtblick. Aber mehr auch erst mal nicht." Nicole Menger-Goltz aus Sprockhövel sagt von sich, sie sei Optimistin. Die letzten Wochen haben der Reitpädagogin allerdings viel abverlangt.

Betrieb eingestellt, Kosten laufen weiter

Menger-Goltz betreibt seit einigen Jahren einen Reiterhof, den "Carlinenhof e.V.". Zwölf Islandpferde stehen in ihrem Stall. An die 200 Menschen, sagt sie, besuchen normalerweise wöchentlich den Hof zum Reiten. Einzelne Kinder, darunter auch Kinder mit Behinderung, aber auch Gruppen aus Kitas, Schulen oder dem Frauenhaus.

Doch wie in den vielen anderen Reiterhöfen im Bergischen Land ruht auch am Carlinenhof seit dem zweiten Lockdown der Betrieb. Keine Reitstunden - keine Einnahmen. Trotzdem laufende Kosten, sagt Nicole Menger-Goltz: "Die Kosten fürs Futter, die Pacht, die Tierarztkosten - das alles läuft weiter."

Wer hält die Pferde auf Trab?

WDR 5 Westblick - aktuell 22.02.2021 03:36 Min. Verfügbar bis 22.02.2022 WDR 5 Von Lisa Maria Wennemer


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Gutscheinaktion brachte Schwierigkeiten

Natürlich hat auch ihr Hof Ansprüche auf Corona-Gelder vom Bund. Praktisch aber kommt kein Geld, weil die Reitpädagogin ohne es zu wissen, wie sie betont, einen Fehler gemacht hat: "Wir haben in der Zeit kurz vor Weihnachten Reitgutscheine verkauft, damit wir erst mal Einnahmen hatten, die wir dringend brauchten."

Gutscheine im Wert von 2.000 Euro wurden verkauft. Zu viel Geld, wie sich kurz darauf herausstellte. Denn damit war der Verein über eine Grenze gekommen, um Ansprüche auf die November- und Dezemberhilfen zu haben. "Das Problem ist auch: Diese Gutscheine müssen ja auch noch eingelöst werden", so Nicole Menger-Goltz, "wir werden also bei vielen Stunden 2021 kein Geld verdienen, weil wir es letztes Jahr schon bekommen haben."

Reiterhöfe in der ganzen Region mit Problemen

Etwas Hoffnung macht ihr die große Unterstützung aus dem Umfeld: Geld- und Sachspenden habe sie in der letzten Zeit einige bekommen, um zumindest den jetzigen Alltag zu stemmen. Ein hiesiger Politiker bot ihr zudem Beratung an, damit sie eventuell noch andere Hilfsgelder bekommt.

Mädchen auf einem Pferd

Gerade den Kindern fehlen die Pferde

Ob nun mit oder ohne Corona-Hilfe - viele Reiterhöfe in der gesamten Region sind zurzeit in Not, sagt die Sprockhövelerin. Sie denke aber auch an die Kinder. Denen fehlten die Pferde, die Gemeinschaft. Insbesondere bei Kindern mit Behinderung sei das Reiten wichtig für ihre Entwicklung - viele von ihnen hat sie seit Monaten nicht gesehen.

Immerhin sind nach den neuesten Corona-Lockerungen jetzt wieder Einzelstunden möglich. Dennoch: "Wenn wir nicht bald wieder Reitgruppen haben und wenn wir nicht in den Osterferien keine Ferienangebote machen dürfen", so Menger-Goltz, "dann müssen wir Pferden verkaufen - im schlimmsten Fall gibt es 2022 den Carlinenhof nicht mehr."

Stand: 23.02.2021, 14:58