Fehlbildung bei Babys: Ministerium will NRW-Kliniken abfragen

Mutter und neugeborenes Kind

Fehlbildung bei Babys: Ministerium will NRW-Kliniken abfragen

  • Drei Kinder mit Fehlbildungen in Gelsenkirchen geboren
  • NRW-Gesundheitsministerium will sich Überblick verschaffen
  • Ursachenforschung wegen fehlender Daten schwierig

Nach einer ungewöhnlichen Häufung von Fehlbildungen bei Neugeborenen an einer Gelsenkirchener Klinik will sich Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerium einen genaueren Überblick verschaffen. Das Ministerium werde alle Kliniken in NRW abfragen, ob dort ähnliche Fehlbildungen aufgefallen seien, sagte eine Ministeriumssprecherin am Samstag (14.09.2019).

Man nehme die Berichte über solche Fälle "sehr ernst". "Darüber hinaus nehmen wir Kontakt mit den Ärztekammern, dem Bund und den anderen Bundesländern auf, um möglichen Ursachen mit aller Sorgfalt nachzugehen." Ob ein Melderegister der richtige Weg sei, gelte es gemeinsam zu prüfen, sagte die Sprecherin.

Drei Kinder mit Fehlbildungen

Im Sankt Marien-Hospital Buer in Gelsenkirchen waren zwischen Mitte Juni und Anfang September drei Kinder mit fehlgebildeten Händen geboren worden. Das wurde am Donnerstag (12.09.2019) bekannt.

Zuvor hatte es dort nach Angaben der Klinik jahrelang keinen einzigen Fall gegeben. Bei allen drei Kindern sei jeweils eine Hand betroffen. An dieser Hand seien Handteller und Finger nur rudimentär angelegt. In der Klinik wurden 2018 nach eigenen Angaben mehr als 800 Kinder geboren.

Expertin will Daten erheben lassen

In Frage kämen genetische Ursachen oder Probleme mit der Nabelschnur, sagt Claudia Roll, Chefärztin der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln am Freitag (13.09.2019). Dort hatte es in diesem Sommer einen ähnlichen Fall gegeben. Die Medizinerin hält es aber auch für denkbar, dass die Fehlbildungen von Viren oder Umweltgiften verursacht wurden.

Das könne aber erst geklärt werden, wenn Krankenhäuser regional und überregional befragt und so Daten über die Häufigkeit solcher Fehlbildungen erhoben würden, sagte Roll im WDR weiter.

Kein bundesweites Melderegister für Fehlbildungen

Das Bundesgesundheitsministerium äußerte sich zurückhaltend. Zu den konkreten Fällen lägen keine Erkenntnisse vor, teilte ein Ministeriumssprecher am Samstag mit. "Wenn es eine auffällige Häufung von Fehlbildungen bei Neugeborenen geben sollte, muss das so schnell wie möglich geklärt werden."

Ein bundesweites Melderegister für Fehlbildungen gibt es nach Angaben der Gelsenkirchener Klinik nicht. In einigen Bundesländern werden Fehlbildungen aber erfasst.

In Sachsen-Anhalt etwa gibt es seit 1980 an der Uni Magdeburg ein Fehlbildungsmonitoring. Dort wurde festgehalten, dass eines von 1.127 Kindern mit einer Fehlbildung der Extremitäten auf die Welt kam - weniger als in den Jahren zuvor.

Stand: 14.09.2019, 16:17

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