Großrazzia gegen Schwarzarbeit im Baugewerbe

Großrazzia gegen Schwarzarbeit im Baugewerbe

Von Thorsten Lenze und Dirk Lipski

  • Großrazzia gegen organisierte Schwarzarbeit im Baugewerbe
  • Acht Verdächtige festgenommen
  • Geflecht aus Scheinfirmen soll 50 Millionen Euro Umsatz gemacht haben

Im Kampf gegen organisierte Schwarzarbeit im Baugewerbe hat es am Dienstag (30.01.2018) eine NRW-weite Großrazzia gegeben. In mehreren Städten Nordrhein-Westfalens wurden von Polizei, Steuerfahndung und Zoll insgesamt rund 140 Objekte durchsucht. Darunter waren Wohnungen und Geschäftsräume unter anderem in Düsseldorf, Duisburg, Erkrath, Kempen, Moers, Mönchengladbach, Monheim, Wuppertal, Wesel und Bochum. An dem Einsatz waren insgesamt über 1100 Beamte beteiligt, auch Spezialeinheiten wie die GSG 9.

Pressekonferenz

Die Beamten haben dabei acht Tatverdächtige festgenommen. Sie stammen aus Südosteuropa, Israel und Deutschland. Ihnen wird vorgeworfen, ein Geflecht aus Scheinfirmen aufgebaut zu haben. Über Strohmänner sollen sie 14 Service-Firmen betrieben haben, die durch Scheinrechnungen knapp 50 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet haben sollen. Bei der Razzia wurden mehrere Waffen, u.a. eine Walther 765er PPK, Messer, Armbrüste und Äxte sowie Bargeld im Wert von über 330.000 Euro sichergestellt.

Schusswaffen

Außerdem beschlagnahmten die Einsatzkräfte zahlreiche hochwertige PKW wie einen Audi A8, VM Amarok oder BMW 5. Die Gesamtsumme der Wertgegenstände beläuft sich auf über 6 Millionen Euro. Der Steuer- und Sozialversicherungsschaden liege bei fast 40 Millionen Euro, so die Behördensprecher. Den sechs Männern und zwei Frauen drohen als mutmaßliche Haupttäter nun Haftstrafen von bis zu zehn Jahren.

Pressekonferenz

"Dies ist ein großartiger Erfolg der Sonderkommission Moses des Hauptzollamts Krefeld", so Direktionspräsident Dr. Armin Rolfink, "das sind die Früchte der Konzentration der Schwarzarbeitsbekämpfung des Zolls auf die Aufklärung komplexer Straftaten im Bereich der organisierten Formen von Schwarzarbeit".

Schwarzarbeit in Zahlen

Im Kampf gegen Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung stellen die Behörden Verstöße nicht immer in einer Razzia fest. Die neusten Zahlen der Generalzolldirektion in Bonn für das Jahr 2016:

  • 40.374 Arbeitgeber überprüft
  • 107.080 Strafverfahren abgeschlossen
  • 45.783 Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten abgeschlossen
  • 48,7 Millionen Euro Bußgelder
  • 34,1 Millionen Geldstrafen von Urteilen und Strafbefehlen
  • 1.732 Jahre an erwirkten Freiheitsstrafen
Großrazzia gegen organisierte Schwarzarbeit

Razzia in Wuppertal

Durch organisierte Schwarzarbeit im Baugewerbe entstünden Millionenschäden, sagte der Hauptzollamts-Sprecher. Vor zwei Jahren war in Hessen ein Ring aus Schwarzarbeitsfirmen aufgeflogen, der jahrelang Steuern und Sozialabgaben in Millionenhöhe hinterzogen haben soll.

Stand: 30.01.2018, 15:20