Zwei Polizisten stehen vor dem Eingang eines Gebäudes

Goch: Razzia in Leiharbeiterunterkünften

Stand: 08.05.2022, 14:35 Uhr

In Goch am Niederrhein haben Polizei, Staatsanwaltschaft und Arbeitsschutzbehörden aus Deutschland und den Niederlanden mehrere Unterkünfte von Leiharbeitern kontrolliert.

Nach Angaben der Polizei waren mehrere hundert Kräfte in dem Ort an der deutsch-niederländischen Grenze im Einsatz. Die Behörden stellten in den Sammelunterkünften unter anderem erhebliche Brandschutzmängel und eine Überbelegung fest.

400 Euro Lohnabzug pro Matratze in Unterkunft?

Mehrere Unterkünfte wurden deshalb geräumt und rund 20 Bewohner in Notunterkünften der Stadt Goch untergebracht. Die Staatsanwaltschaft Kleve ermittelt außerdem gegen die Vermieter der Unterkünfte wegen Mietwuchers. Zwei Verantwortliche eines niederländischen Leiharbeitsunternehmens sollen ihre überwiegend aus Rumänien stammenden Mitarbeiter gegen weit überhöhte Zahlungen in stark abgewohnten Zimmern untergebracht haben.

Laut Polizei haben sie die finanzielle Lage und die fehlende Sprachkenntnisse der Arbeiter ausgenutzt. Pro Matratze in einem Zimmer sollen den Leiharbeitern bis zu 400 Euro direkt vom Monatslohn abgezogen worden sein. Diese sind vor allem in der niederländischen Fleischindustrie tätig.

Zwei Männer sitzen an einem Tisch im Zelt einem Mann gegenüber.

Zwei Behördenmitarbeiter klären einen Leiharbeiter über seine Schutzrechte auf.

Insgesamt kontrollierten die Behördenmitarbeiter 70 Arbeiter und klärten sie mit Dolmetschern über ihre Schutzrechte auf: "Wir sagen den ausbeuterischen Verhältnissen den Kampf an und wollen, dass die dafür Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden“, sagt Silke Gorißen, Landrätin im Kreis Kleve nach der Kontrollaktion.

Bereits Unterkünfte wegen Bauverstößen geschlossen

Bereits vor einigen Monaten hatten deutsche und niederländische Behörden Leiharbeiterwohnungen in Geldern und Emmerich kontrolliert. Alle überprüften Unterkünfte waren danach wegen erheblicher Bauverstöße geschlossen worden. Laut NRW-Heimatministerium sind im Kreis Kleve schätzungsweise 2000 Arbeitsmigrantinnen und -migranten von prekären Arbeitsbedingungen betroffen.

Über dieses Thema haben wir in den Radio-Nachrichten für WDR Aktuell um 14 Uhr berichtet.