Drogenrazzia in NRW führt ins Rocker-Milieu

zwei maskierte und bewaffnete polizisten stehen vor vor einem Polizeibus auf der Straße

Drogenrazzia in NRW führt ins Rocker-Milieu

Die Polizei hat am Donnerstag einen Drogenring zerschlagen. Tausende Cannabispflanzen wurden sichergestellt. Nach WDR-Informationen führt die Spur ins Rocker-Milieu.

Es sind ungewöhnliche Bilder für einen sogenannten Haftprüfungstermin. Vor dem Amtsgericht Mönchengladbach hat die Polizei am Freitag ein Großaufgebot aufgefahren: Maskierte Beamte einer Hundertschaft mit Maschinenpistolen im Anschlag sichern die Umgebung. Bei einer Drogenrazzia waren am Vortag sieben Männer festgenommen worden. Der Haftrichter schickt alle Tatverdächtigen in Untersuchungshaft.

Warum die Polizei so auftritt, wird klar, wenn man sich die Zusammenhänge anschaut. Nach WDR-informationen führt die Spur der Ermittler direkt ins Rockermilieu, konkret geht es um die Hells Angels.

Hells Angels rund um Tatort

Bei der Razzia in mehreren NRW-Städten wurde auch eine ehemalige Gaststätte in Mönchengladbach-Odenkirchen gestürmt. Recherchen zeigen: Personen aus dem Umfeld der Mönchengladbacher Ortsgruppe der Hells Angels gehen am Nachmittag nach der Razzia und am nächsten Tag in dem Haus ein- und aus. Auch Wochen vor der Razzia wurden sie gesehen, wie sie die seit Jahren geschlossene Gaststätte betreten haben.

Nur wenige hundert Meter von dem gestürmten Gebäude entfernt gibt es ein Kiosk, das ebenfalls als Treffpunkt der Hells Angels gilt und an dem sich immer wieder genau diese Personen aufhalten - oft mit Luxusautos und schweren Motorrädern.

Polizei hält sich bedeckt

Die Polizei in Mönchengladbach bestätigt nicht, dass es einen Zusammenhang zwischen der Drogenrazzia und der Rockerszene gibt. Sie will zu den Tatverdächtigen und den Hintergründen der Ermittlungen keine Angaben machen, um diese nicht zu gefährden. Es sei allerdings nicht der Standard, einen Haftprüfungstermin derart abzusichern. Nach dem Großeinsatz am Vortag mit Hunderschaften, Spezialkräften, Hunden und Kripo-Beamten an 18 Orten gleichzeitig, wolle man das Level der eingesetzten Kräfte beibehalten.

In Mönchengladbach gibt es seit Jahren eine Ortsgruppe der Hells Angels. 2016 hatten Spezialkräfte der Polizei das Vereinshaus gestürmt, das damals ebenfalls im Stadtteil Odenkirchen lag. Damals ging es um ein Tötungsdelikt in Duisburg, bei dem eine zerstückelte Leiche gefunden worden war. Vier Jahre zuvor hatten sich die Hells Angels eine Messerstecherei mit dem verfeindeten Rockerclub Bandidos in der Mönchengladbacher Altstadt geliefert.

Bei dem Großeinsatz am Donnerstag waren tausende Cannabispflanzen sichergestellt und insgesamt sieben Männer festgenommen worden. Sie sollen die Drogen angebaut und verkauft haben. Um Punkt 06:00 Uhr in der Früh hatte die Polizei unter anderem auch in Leverkusen, dem Kreis Kleve und dem Kreis Viersen Zugriffe durchgeführt.

Razzia in NRW wegen Drogenhandel

Die gestürme ehemalige Gaststätte in Mönchengladbach-Odenkirchen

Ein Verdächtiger wurde mitten auf der Autobahn 57 bei Moers gestellt. In Mönchengladbach-Odenkirchen waren die Anwohner durch laute Explosionen aus dem Schlaf gerissen worden, die bei der Stürmung der ehemaligen Gaststätte verursacht wurden.

Stand: 05.02.2021, 17:00