Raus aus der Bundeswehr - ein schwerer Weg

Reservisten der RSU-Kompanie in Sachsen (16.11.2013)

Raus aus der Bundeswehr - ein schwerer Weg

Von Christian Avital

  • Hohe Hürden für Soldaten
  • Fälle landen oft vor Gericht
  • Anwerbe-Methoden in der Kritik

Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer ist mit dem Ende der Wehrpflicht massiv gesunken. Aber für die, die sich auf Zeit verpflichtet haben, ist es nahezu unmöglich, die Bundeswehr zu verlassen. Seit dem Ende der Wehrpflicht 2011 haben kurz vor dem Aussetzen der Wehrpflicht noch 3.600 Soldatinnen und Soldaten einen Antrag gestellt, die Armee verlassen zu dürfen. Danach sank die Zahl auf 174 bis 244 Fälle pro Jahr - so die Zahlen des Bundesverteidigungsministeriums.

Kündigung nicht möglich

Michael Tamm (Name geändert) mit dem Betreuer von der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft Kriegsdienstverweigerung (EAK) Wolfgang Buff.

Michael Tamm hat einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gestellt.

Wer sich einmal für mehrere Jahre verpflichtet hat, für den ist der Weg raus aus der Armee nicht einfach. Eine Kündigung wie bei einem zivilen Arbeitgeber ist nicht möglich. Wer raus will, muss einen mehrseitigen Antrag stellen und genau begründen, warum er den Dienst an der Waffe nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren kann.

So erging es auch Michael Tamm. Der Medizinstudent, der eigentlich anders heißt und anonym bleiben will, hatte sich mit 17 Jahren für den Dienst an der Waffe entschieden. Nach sechs Semestern Medizin kommen ihm Zweifel. Er stellt einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung und hat Glück. Sein Antrag wird nach einem halben Jahr anerkannt. Viele andere Fälle landen vor Gericht.

Viele Zeitsoldaten wollen die Bundeswehr verlassen

03:38 Min.

Schikane durch Vorgesetzte

Wolfgang Buff von der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft Kriegsdienstverweigerung in Bonn bemängelt das harte Vorgehen der Bundeswehr. Sie ködere junge Menschen erst mit falschen Versprechen, um sie dann im Stich zu lassen. Gerade bei den Berufen im Gesundheitsbereich sei das der Fall.

Angehende Sanitätsoffiziere, so heißen unter anderem die Ärzte bei der Armee, wüssten nicht, was im Krisenfall auf sie zukommt. Sie wüssten nicht, dass sie im Notfall auch zur Waffe greifen müssen oder, dass die Behandlung eines Kameraden immer Vorrang vor dem Leben eines Zivilisten hat. Auf Nachfrage erklärt die Bundeswehr, Bewerber von Anfang an transparent über Themen wie Einsätze, Verwundung oder Tod zu informieren.

Armee fordert Kosten zurück

Ist ein Antrag auf Kriegsdienstverweigerung erfolgreich, müssen die ehemaligen Soldaten die Kosten für ihre Ausbildung zurückerstatten. Bei Sanitätsoffizieren, die ihr gesamtes Studium schon hinter sich haben, können das schon mal bis zu 60.000 Euro sein. Doch für die meisten Antragsteller ist das Geld sekundär. Für sie ist es wichtiger eine Entscheidung, die sie in jungen Jahren getroffen haben, am Ende auch wieder korrigieren zu können.

Stand: 25.04.2019, 05:00