Lebenslange Haft für Raubmord in Krefeld

Amts- und Landgericht Krefeld

Lebenslange Haft für Raubmord in Krefeld

  • Lebenslange Haft für "Mord aus Habgier"
  • 60-Jähriger hatte Nachbarn in dessen Wohnung getötet
  • Überführt durch Rekonstruktion der Tat

Ein 60-Jähriger wurde am Mittwoch (23.10.2019) vor dem Krefelder Landgericht wegen Raubmordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte im März 2019 seinen 69-jährigen Nachbarn in dessen Wohnung getötet.

Das bedeutet lebenslange Haft in Deutschland

Lebenslange Haft ist die höchste Strafe in Deutschland. Sie wird am häufigsten bei Mord verhängt. Das Bundesverfassungsgericht hat aber geurteilt, dass jeder die Möglichkeit haben muss, vor seinem Tod freizukommen. Ein absolutes "lebenslänglich" gibt es also nicht. Frühestens nach 15 Jahren kann die lebenslange Haft zur Bewährung ausgesetzt werden. Wird der Antrag eines Verurteilten auf Aussetzung der Reststrafe abgelehnt, kann er alle zwei Jahre neu gestellt werden.

Würde ein Verurteilter aufgrund mehrerer Vergehen mehrere lebenslange Freiheitsstrafen erhalten, werden diese nur zu einer lebenslangen Haft als Gesamtstrafe zusammmengefasst.

Besondere Schwere der Schuld

Eine besondere Schwere der Schuld kann vorliegen, wenn die Tat besonders verwerflich war, der Täter sehr brutal und grausam vorgegangen ist oder dem Opfer große Qualen zufügt hat. Die Motive können von besonderer Verwerflichkeit sein oder der Täterpersönlichkeit abartige sexuelle, auch gewalttätige Neigungen zugeschrieben werden. Liegt eine besondere Schwere der Schuld vor, wird die Haft nach 15 Jahren keinesfalls beendet.

Wurde vom Gericht eine "besondere Schwere der Schuld" festgestellt, legt die Strafvollstreckungskammer nach 15 Jahren fest, wie viel Strafe noch verbüßt werden muss, bis der Verurteilte auf Bewährung entlassen werden kann. Dabei spielt das Sicherheitsinteresses der Allgemeinheit die entscheidende Rolle. Eine feste Obergrenze gibt es nicht. Meistens werden aber nicht mehr als zehn zusätzliche Jahre verhängt.

Mord aus Habgier

Laut Richter habe der Mann seinen gehbehinderten, langjährigen Freund heimtückisch und aus Habgier umgebracht. Es sei ihm um eine Geldbörse mit mindestens 500 Euro gegangen.

Der Täter habe sich zuvor in eine Prostituierte verliebt. Dadurch sei er in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Teilgeständnis: Denkzettel verpassen

Er hatte im September bereits ein Teilgeständnis abgelegt. Er räumte zwar ein, auf das Opfer eingestochen zu haben. Nach eigener Aussage habe er dem Nachbarn aber nur einen Denkzettel verpassen, ihn aber nicht töten wollen.

Laut Aussage des 60-jährigen Täters hatte er sich mit dem Opfer zu einer Aussprache getroffen. Die sei im Streit geendet, sodass er seinen Nachbarn geschubst hatte. Danach gab er an, ein auf dem Wohnzimmertisch liegendes Messer genommen und zugestochen zu haben.

Aussagen konnten widerlegt werden

Diese Schilderung konnte durch die polizeiliche Rekonstruktion der Tat widerlegt werden.

Blutspritzer in einem Suppenteller wurden dem Täter zum Verhängnis. Den Teller hatte das Opfer auf seinem Rollator abgestellt. Er war später verkehrt herum auf dem Boden entdeckt worden. Trotzdem waren Blutspritzer darin.

Deswegen sei klar, dass der Angreifer bereits zugestochen haben muss, als das Opfer noch stand. Das Gericht war davon überzeugt, dass er das Messer mitgebracht hat.

Stand: 23.10.2019, 16:04

Weitere Themen