Rattenplage zwischen den Hochhäusern am Kölnberg

Zwei Ratten sitzen auf einem Gulli-Deckel.

Rattenplage zwischen den Hochhäusern am Kölnberg

Von Patrick Stijfhals

Die Hochhaussiedlung am Kölnberg in Meschenich macht häufig als Brennpunkt Schlagzeilen. Jetzt hat sie ein neues Problem: eine kaum zu beherrschende Rattenplage. Der Hausverwalter geht in die Offensive.

10 Uhr vormittags am Kölnberg, einer tristen Hochhaussiedlung an der Grenze zum Rhein-Erft-Kreis. Kurz bevor wir zum Termin bei Hausverwalter Werner Eßer eingeladen sind, werden der Müll aufgekehrt und die Mülltonnen geleert. Eigentlich verkriechen sich die Ratten bei einem solchen Lärm, aber einige kommen trotzdem aus ihren Bauten.

Die Anwohner sind genervt: Ömer Yalcin sitzt am Tisch vor dem kleinen Imbiss zwischen den Hochhäusern. Er selbst wohnt im Erdgeschoss, kann die Ratten aus nächster Nähe beobachten: „Die greifen dann auch die Leute an, die kleinen Kinder.“ Besonders schlimm sei es in der Nacht, wenn Ömer Yalcin als LKW-Fahrer raus muss, dann sehe er „tausende von Ratten, tausende“.

Müll zieht Ratten an

Werner Eßer von der SHV Immobilienverwaltung zeigt uns 30 Rattenlöcher im Boden direkt hinter den Müllcontainern. Der Hausverwalter will die Container demnächst verschließbar machen und der Sichtschutz um die Container muss verschwinden, damit die Mieter nicht unauffällig Müll neben die Tonnen stellen können. Doch beim eigentlichen Problem komme er an seine Grenzen.

Mieter werfen Müll aus den Wohnungen

Bilder von den "Entdrecker-Tagen" in Hemer

Illegal entsorgter Müll verschafft Ratten ein reichhaltiges Leben

Wir laufen um ein Hochhaus herum zu einem Spielplatz. Ein Milchkarton segelt von einem der Balkone auf den Boden - eine Fläche mit hunderten von Ratten-Löchern. Werner Eßers Problem: Die Mieter werfen ihren Müll einfach aus den Fenstern. „Wenn jemand im 24. Stock lebt und eine halbe Stunde braucht, bis er unten ist, weil so viele Leute den Aufzug benutzen, dann überlegen die sich, ob sie eine halbe Stunde mit dem Aufzug runterfahren oder den Müll einfach entsorgen.“

Giftköder helfen kaum

„Da vorne läuft gerade wieder ein Kamerad vor unseren Füßen“, sagt Schädlingsbekämpfer Bernd Lüttgen. Zwei Ratten schießen aus ihren Löchern heraus und machen sich über den Milchkarton her. Mit Giftködern kommt er bei dem großen Futter-Angebot nicht weiter: „Die Ratten haben schlichtweg volle Bäuche, die sind satt, die brauchen den Köder nicht zu fressen, die können sich hier aussuchen, was sie haben möchten.“

Kündigung schwierig

Hausverwalter Werner Eßer würde den Mietern, die Müll schmeißen, gerne kündigen, nur darf er das nicht. Erst einmal müsste man eindeutig nachweisen, wer geworfen hat, was nur mit Kamera-Überwachung ginge. Doch die ist vom Datenschutz her problematisch. Selbst wenn sich nachweisen lässt, wer den Müll rauswirft, muss der Vermieter ihm persönlich kündigen – aber der sei oft nicht erreichbar.

Vermieter schwer erreichbar

Hochhaussiedlung Kölnberg

Manche Mieter werfen Müll aus den Fenstern der Hochhäuser

Ein Mann mit geflochtenem Hut und rotem Hemd spricht den Hausverwalter an: Das Wasser läuft seit zwei Jahren unten aus seiner Toilette heraus, doch der Vermieter reagiert nicht. „Man sieht es auch bei ihm“, sagt Werner Eßer, Der kommt genauso an seine Grenzen bezüglich seiner Probleme innerhalb der Wohnung, wie wir mit den Problemen an unsere Grenze kommen, was die betroffene Rattenthematik betrifft. Wenn der Vermieter jemandem, der Müll schmeißt, kündigen will, dann müsse dieser schnell reagieren. Ein großer Teil der Wohnungen gehöre aber Großinvestoren und einige von ihnen meldeten sich nicht rechtzeitig zurück. Werner Eßer: „Ich glaube, es dauert drei bis vier Monate, bevor man einen Ansprechpartner kriegt, der vielleicht eine Entscheidung treffen könnte, und dann ist das außerordentliche Kündigungsrecht wieder verwirkt.“

Investor sagt, er sei erreichbar

Einer der größten Investoren ist die Grand City Property, ihr gehören nach eigenen Angaben 38 Prozent der Wohnungen. Auf unsere Anfrage hin schreibt sie, sie sei jederzeit „erreichbar sowie gesprächsbereit“. Weiter heißt es: „Sollte uns konkret ein Fall zugetragen werden, in dem einer unserer Mieterinnen oder Mieter ursächlich verantwortlich gemacht werden kann, würden wir entsprechende Maßnahmen prüfen.“

Stadt Köln hält hygienische Situation für katastrophal

Auch die Stadt Köln hat zwei Mitarbeiter zur Kontrolle in die Hochhaussiedlung geschickt. Die Situation sei aus „hygienischer Sicht katastrophal“, schreibt sie, „in Anwesenheit der Mitarbeitenden flogen mehrere Male Mülltüten aus den Fenstern der Hochhäuser“. Da es sich aber um Privatgrund handelt, sei sie nicht zuständig und habe die Wohnungsgesellschaft aufgefordert, „umfangreiche und zügige Maßnahmen einzuleiten."

Stand: 14.06.2021, 12:07