Rassistische Attacke: "Er schlug mehrfach auf meinen Kopf ein"

Salama Abdo

Rassistische Attacke: "Er schlug mehrfach auf meinen Kopf ein"

Salama Abdo kommt aus Syrien und arbeitet für den WDR. Kürzlich wurde er in Hennef Opfer einer rassistischen Attacke. In unserem Interview schildert er den Angriff und was er dabei empfand.

WDR: Was ist am Donnerstag (25.04.2019) in Hennef passiert?

Salama Abdo: Ich war abends gegen 20 Uhr mit meiner Frau an der Siegpromenade spazieren. Im Kinderwagen hatten wir unseren 15 Monate alten Sohn dabei. Wir wollten entspannt auf einer Treppe am Wasser sitzen. Da kamen drei Personen - zwei Männer und eine Frau - auf uns zu.

Einer der Männer hat uns sofort übel beleidigt: "Geht zurück in euer Land", "Scheiß Musel" und noch schlimmere Beleidigungen. Er warf eine Bierflasche in unsere Richtung. Meine Frau trägt ein Kopftuch. Das hat der Mann wohl zum Anlass genommen, uns wegen unserer Religion zu beschimpfen.

WDR: Wie haben Sie reagiert?

Abdo: Ich habe mein Handy rausgeholt und den Mann gefilmt. Seine Begleiterin und sein Begleiter haben auf den Mann eingeredet, dann sind die drei weggegangen. Aber wenige Sekunden später ist er zurückgekommen.

Er hat mich angegriffen und geschlagen. Er war größer und muskulöser als ich und nahm meinen Kopf zwischen seine Arme. Er schlug mehrfach auf meinen Kopf ein. Ich konnte ihn aber zu Boden bringen und wehrte mich gegen seine Schläge. Dann ist er abgehauen. Vorher hat er noch mehrfach den Hitlergruß gezeigt und Stinkefinger gemacht. Und weitere üble Beleidigungen.

WDR: Wie schwer sind Sie verletzt worden?

Abdo: Ich habe mehrere Beulen am Kopf und blaue Flecken in den Augen. Drei Tage habe ich im Krankenhaus gelegen. Mittlerweile haben die Schmerzen etwas nachgelassen. Absurderweise war der Angreifer an dem Abend auch im Krankenhaus, denn er hatte wohl kurz nach unserem Aufeinandertreffen noch andere Menschen angegriffen und war dabei angeblich verletzt worden.

Mund auf gegen Hass und Hetze - Wir reden gegen Rassismus!

1LIVE Reportage 08.04.2019 38:19 Min. 1LIVE

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WDR: Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie jetzt?

Abdo: Wir sind immer noch schockiert. Ich habe gedacht, Neonazis gibt es in Deutschland nur im Osten in Chemnitz oder Dresden - aber nicht in NRW. Das ist wirklich ein Schock. Die Attacke war besonders gefährlich, weil der Angreifer auch noch gegen den Kinderwagen getreten hat. Und das direkt am Wasser. Unser Kind hat geweint, aber es versteht natürlich noch nicht, was genau passiert ist.

WDR: Wie geht es jetzt weiter?

Abdo: Ich habe meine Aussage bei der Polizei gemacht. Ich hoffe und erwarte, dass der Angreifer seine gerechte Strafe bekommt.

Die Fragen stellte Martin Teigeler.

Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bonn auf WDR-Anfrage mitteilte, laufen die Ermittlungen. Der Tatverdächtige, ein 29-jähriger Deutscher, sei vorbestraft. Hier die Mitteilung der Polizei zu dem Fall:

Stand: 30.04.2019, 17:00