Hass-Botschaften an Abiturienten aus dem Ruhrgebiet

Hass-Botschaften an Abiturienten aus dem Ruhrgebiet

  • Abiturient aus dem Ruhrgebiet wegen Nachnamens beleidigt
  • Beispiel für alltäglichen Rassismus
  • Expertin rät, Beleidigungen nicht hinzunehmen

Ein junger Mann hat an einer Schule im Ruhrgebiet Abitur gemacht - und wurde wüst beschimpft. Eine Pegida-Gruppe hatte die Liste mit den Abiturienten seines Jahrgangs im Netz verbreitet, und allein die Tatsache, dass in dieser Liste viele ausländische Namen auftauchen, genügte offenbar für rassistische Beschimpfungen über die "Türken - und Koranschule".

Per Mail und auf Facebook beleidigt

Die Folgen fasst Rainer Leurs von der "Rheinischen Post" zusammen, wo die Liste ursprünglich erschienen war: "Er ist vielfach beleidigt worden in den letzten Jahren von Rechtsextremen, per Email, per Facebook und per Direktnachricht." Deswegen wolle er nicht mehr als Abiturient seiner Schule genannt werden.

Stolz auf die Leistung

Der Abiturient will nicht vor die Kamera. Nur soviel: Sein Großvater kommt aus der Türkei, er ist in Deutschland geboren, im Ruhrgebiet zur Schule gegangen - und er will stolz sein auf sein Abi.

Die Empörung im Netz ist groß, der RP-Redakteur Leurs fassungslos: Er selbst sei stolz auf sein Abi-T-Shirt mit den Namen aller Stufenkameraden. "Und stell' dir vor, du kommst in eine Situation, wo du diesen Namen löschen möchtest, weil du beleidigt wirst, weil du halt nicht Uwe heißt oder Reiner oder Peter."

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Ganz alltäglicher Rassismus

Dass Menschen allein aufgrund ihres Namens rassistisch beleidigt, beschimpft und ausgegrenzt werden, erlebt Gülgün Teyhani nicht nur in ihrer Arbeit als Anti-Rassismus-Beraterin - sondern auch ganz persönlich. "Ich bin Duisburgerin, ich liebe Duisburg, das ist meine Heimat Aber wenn man meinen Namen hört, ist die erste Assoziation: Woher kommst du, du gehörst gar nicht hierhin. Das ist eine Ausgrenzung, die man sehr oft erlebt."

Die Rheinische Post hat seinen Namen auf ihren Listen mittlerweile gelöscht, aber das Netz vergisst bekanntlich nichts. Facebook habe seine Bitte zur Löschung des Artikels ignoriert, schreibt er dem WDR. Eine Anzeige bei der Polizei hält er für aussichtlos.

Rassismus nicht einfach hinnehmen

Gülgün Teyhani ermutigt Opfer rassistischer Beschimpfungen trotzdem, aktiv zu werden. Sie sollten es "nicht es einfach hinnehmen, sondern es zur Anzeige bringen, auf jeden Fall ein Antidiskriminierungsbüro aufsuchen und die Diskriminierung melden."

Der Abiturient ist mittlerweile Wirtschaftsstudent, gründete eine eigene Firma. Jetzt hofft er, dass sein Name nicht mehr mit rassistischen Beleidigungen im Netz verknüpft ist, sondern mit einer erfolgreichen Zukunft als Unternehmer.

Gewaltforschung - Woher kommt der Hass im Netz? Planet Wissen 14.09.2016 06:29 Min. Verfügbar bis 07.09.2021 ARD-alpha

Stand: 22.11.2019, 19:25