Was tun bei religiösem Extremismus an Schulen?

Ein Kind liest den Koran

Was tun bei religiösem Extremismus an Schulen?

Von Tobias Al Shomer

  • Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlicht neue Broschüre
  • Debatte häufig von Hysterie gezeichnet
  • Lehrer sollen für frühe Radikalisierungsanzeichen sensibilisiert werden

Religiöser Extremismus an deutschen Schulen ist ein Problem, sagt die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) in Bonn. Es sei zwar bekannt, doch viele Lehrerinnen und Lehrer fühlten sich immer stärker damit überfordert.

Sensibilisierung für Radikalisierungsanzeichen

Zahlreiche Fälle zeigten, dass sich Schüler nicht von jetzt auf gleich radikalisieren, so die Extremismus-Beauftragte der bpb, Hanne Wurzel. Es gäbe frühe Anzeichen, auf die Lehrer und Schulleitungen reagieren müssten. Die neue Broschüre soll dabei als Orientierung und fundierte Grundlage für eine qualifizierte Auseinandersetzung mit religiöser Radikalisierung im Kontext Schule dienen.

Mehr Besonnenheit in der Debatte wünschenswert

Die Debatte rund um das Thema sei meist von übermäßiger Hysterie geprägt, so Hanne Wurzel. So müsste nicht wegen jedem verschleierten Mädchen direkt die Polizei gerufen werden. Auch der Bonner Islamkunde-Lehrer Bernd Ridwan Bauknecht kennt solche Überreaktionen: "Es gibt zum Beispiel Schüler, die gehen in der fünften oder sechsten Klasse mit dem Papa morgens zum Morgengebet. Das ist relativ früh. Aber das ist noch nicht ein Salafist oder ein Fundamentalist, sondern das ist eben jemand, der das so gewohnt ist und dann seine Religion in der Art auslebt".

Die fehlende Differenzierung in öffentlichen Debatten findet auch den Weg ins Klassenzimmer. Lehrer sehen sich mit den Fragen konfrontiert, ob "heiße Themen" wie Salafismus, Islamismus und antimuslimischer Rassismus überhaupt im Unterricht bearbeitet werden sollten. Oder wie sie das Gespräch suchen können, ohne jemanden dabei zu stigmatisieren.

Besonders Außenseiter und abgehängte Jugendliche seien gefährdet

Laut Bernd Ridwan Bauknecht spielt das Internet eine zentrale Rolle für die Radikalisierung seiner Schüler. Gerade über Soziale Medien erreichten Prediger viele Jugendliche und versprächen diesen eine starke Gemeinschaft. Deshalb seien insbesondere Außenseiter und Abgehängte anfällig für Radikalisierung.

Wenn ein Schüler erst einmal in so einer Situation ist, dann müssen Lehrer schnell handeln und eingreifen: "Man muss sehr aufmerksam sein, sowohl in der Schule, im Umkreis der Jugendlichen, im Elternkreis, im Freundeskreis. Denn die Veränderungen gehen ja nicht von jetzt auf gleich", so Hanne Wurzel von der bpb.

Mit dem neuen Info-Material will die bpb helfen, diese Veränderungen früher zu bemerken und so einer Radikalisierung vorzubeugen.

Herausforderung Salafismus an Schulen

02:55 Min. Verfügbar bis 21.02.2020

Stand: 21.02.2019, 13:13

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