Gewalt auf dem Ebertplatz: Totschlagsprozess vor Kölner Landgericht

Gewalt auf dem Ebertplatz

Gewalt auf dem Ebertplatz: Totschlagsprozess vor Kölner Landgericht

Von Markus Schmitz

  • Zweiter Prozess um tödliche Gewalt
  • Drogenszene hat sich verlagert
  • Anwohner unzufrieden

Nach einem blutigen Streit auf dem Kölner Ebertplatz steht seit Donnerstag (28.05.2020) ein 24-Jähriger wegen Totschlags vor der Kölner Landgericht. Der Somalier soll im vergangenen August einen Landsmann mit einem Stich in den Hals getötet haben. Der Angeklagte wollte sich beim Prozessauftakt zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern.

Hintergründe zu dem Fall

Es war eine Tat, die die Diskussion um den Drogen-Hotspot Ebertplatz neu entfachte. In den Morgenstunden des 25. August 2019 eskalierte der Streit um ein Drogengeschäft.

Auf dem Ebertplatz, so steht es in der Anklageschrift, kam es zu tumultartige Szenen. Als die Auseinandersetzung fast schon beendet schien, erlitt ein 25-Jahre alter Mann aus Somalia tödliche Schnittverletzungen am Hals. Laut Anklage seien die tödlichen Verletzungen dem Opfer mit einer "abgebrochenen Bierflasche, einem Messer oder einem ähnlichen Gegenstand" zugefügt worden. Der junge Mann verblutete noch am Tatort.

Gewaltexzess könnte sich wiederholen

Am selben Tag kamen Verantwortliche für die Stadt an den Ebertplatz. Stadtdirektor Stephan Keller, der seinen Urlaub abbrach und Kölns Polizeipräsident Uwe Jacob gaben vor Ort eine Pressekonferenz. Wenige Tage später nahm sogar NRW-Innenminister Herbert Reul an einer Bürgerversammlung in einem Brauhaus am Eigelstein teil. Alle vereint gegen die Drogenkriminalität am Ebertplatz.

Nun hängen in dem Bereich Videokameras, die allerdings schon vor der Tat im August geplant waren. Schon zuvor hatten viele daran gearbeitet den Platz zu verschönern und zu beleben.

Drogenszene weiter aktiv

Anwohner berichten nun, dass sich die Dealer-Szene lediglich verlagert habe. Das führte dazu, dass sich die jungen Männer nun an der Eigelsteintorburg versammeln und weiterhin ihre Drogen verkaufen würden. Allerdings in den Nebenstraßen um den Ebertplatz herum, dort, wo keine Kameras sie aufzeichnen können.

Eine Anwohnerin, hat noch vor zwei Tagen mitten in der Nacht einen Konflikt zwischen jungen Drogendealern gefilmt, der belege, dass es immer wieder zu gewaltsamen Streitigkeiten kommen kann, sagt sie.

 Urteil im aktuellen Fall für August geplant

Bereits im Oktober 2017 starb auf dem Ebertplatz ein junger Mann aus Afrika. Wie das Landgericht später feststellte, ging es dabei ebenfalls um ein Drogengeschäft. Derjenige, der dem Opfer einen tödlichen Stich versetzte, konnte nie gefunden werden. Ein weiterer am Streit Beteiligter, der das Opfer geschlagen hatte,  wurde zu sechs Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt.

 Das Urteil im aktuellen Totschlags-Prozess wird für Mitte August erwartet.

Stand: 28.05.2020, 15:30