Sexueller Missbrauch: Prozess um Sektenführer aus Goch

Landgericht Kleve, Amtsgericht Kleve

Sexueller Missbrauch: Prozess um Sektenführer aus Goch

Seit heute muss sich ein 58-jähriger vor dem Landgericht Kleve wegen sexuellen Missbrauchs verantworten. Der Angeklagte soll über eine Sekte fast allmächtig geherrscht haben.

Zwischen 2006 und 2020 soll der Niederländer eine inzwischen 27-jährige Frau über 132-mal sexuell missbraucht haben, heißt es in der Anklage. In 65 Fällen soll das Opfer noch unter 14 Jahre alt gewesen sein. Ebenso steht er wegen Freiheitsberaubung vor Gericht. Ihm droht eine langjährige Haftstrafe. Vor Gericht äußerte sich der Angeklagte bisher nicht zu den Vorwürfen. Er ließ über seinen Anwalt ein Schreiben verlesen. Darin bezeichnete er sich als unschuldig.

Im Oktober 2020 ging die Polizei einem Hinweis von außen nach, dass in dem Anwesen einer Sekte in Goch eine junge Frau gegen ihren Willen festgehalten wird. Bei einer großangelegten Razzia wurde der Verdächtige festgenommen. Der Prozess soll an mehreren Tagen verhandelt werden.

Sekte bewohnt Kloster in Goch

Der Täter bezeichnet sich selbst als Prophet der Glaubensgemeinschaft "Orde der Transformanten", die ein Anwesen in Goch-Asperden am Niederrhein bewohnt. Laut Anklage sehen die Mitglieder den Propheten als von Gott gesandt, mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattet und folgen ihm bedingungslos.

Außerdem heißt es, dass in der Sekte eine strenge Hierarchie herrschen soll – Familienstrukturen seien zugunsten der Gruppe aufgelöst. Die Eltern und der Bruder des Opfer seien Mitglied der Gemeinschaft gewesen – sie haben den Missbrauch aber nicht verhindert.

Wie das Leben der Gemeinschaft in dem Kloster derzeit aussieht, lässt sich laut eines Sprechers der Stadt Goch nicht beurteilen. Nach der Razzia sah die Stadt keinen Grund, der Gemeinschaft die Konzession für den Klosterbetrieb zu entziehen.

Stand: 17.06.2021, 11:22