Angeklagter vor Gericht, der mit Luftgewehr auf seinen Stiefsohn geschossen haben soll

Stiefsohn mit Luftgewehrschüssen lebensgefährlich verletzt

Stand: 21.01.2022, 11:22 Uhr

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft wiegt schwer. Ein Mann aus Königswinter soll mit einem Luftgewehr auf seinen Stiefsohn geschossen und den Elfjährigen lebensgefährlich verletzt haben. Von heute an muss sich der 33-Jährige wegen versuchten Mordes durch Unterlassen vor dem Landgericht Bonn verantworten.

Von Christoph Hensgen

Außerdem ist er wegen gefährlicher Körperverletzung und schwerer Misshandlung Schutzbefohlener angeklagt. Der Stiefvater des Jungen hat die Vorwürfe immer bestritten. Trotzdem hat das Amtsgericht Königswinter kurz nach dem Vorfall entschieden, dass der Mann keinen Kontakt mehr zu dem Jungen haben darf.

Auch heute beteuert der 33-Jährige seine Unschuld. Und schildert zu Prozessbeginn detailliert den Tag, an dem die Tat geschah. Demnach habe er sich alleine um den Stiefsohn und seine drei anderen Kinder kümmern müssen. Sollten die Darstellungen des Angeklagten zutreffen, hätte er kaum Zeit gehabt, die Schüsse abzugeben.

Prozess: Vater soll mit Luftgewehr auf Sohn geschossen haben

00:34 Min. Verfügbar bis 21.01.2023


Elfjähriger muss notoperiert werden

8. April 2021: In der Bonner Uni-Klinik muss ein Junge notoperiert werden. Der Elfjährige wurde von Geschossen aus einem Luftgewehr getroffen. So genannte Diabolos. Eins steckt im Oberkörper. Mutter und Stiefvater hatten den Jungen hier eingeliefert.

Die Familie lebt bei Königswinter-Bockeroth. Sofort ermittelt eine Mordkommission der Bonner Polizei. Zunächst ist völlig unklar, wer geschossen hat und wo der Tatort ist. Der Elfjährige hatte am Tag der Tat noch mit anderen Kindern im Ort gespielt.

Ermittler finden mutmaßliche Tatwaffe im Haus der Familie

Dann aber finden Polizisten im Haus der Familie ein Luftgewehr. Es gehört dem Stiefvater und es ist die Tatwaffe – das soll später auch ein Gutachten belegen. Ermittler finden heraus, dass die Mutter ein Alibi hat, der Stiefvater zur Tatzeit zu Hause ist.

Das Opfer selbst ist Autist. Der Elfjährige spricht nicht – er kann deshalb auch nicht zur Aufklärung beitragen. Sein Stiefvater bestreitet die Tat – Ermittler halten ihn aber für den Schützen.

Anwalt des Stiefvaters hält Beweise für zu dünn

Der Anwalt des Angeklagten kritisiert, dass die Beweise viel zu dünn seien. „Es gibt überhaupt kein Motiv“, sagt Uwe Krechel. „Warum sollte der Vater, der ein einwandfreies Verhältnis zu dem Kind hatte, auf das Kind schießen?“ Außerdem zweifelt der Strafverteidiger das Waffengutachten an.

Insgesamt acht Verhandlungstage hat die 8. Große Strafkammer des Bonner Landgerichts bis Ende Februar anberaumt. Sollte der Stiefvater schuldig gesprochen werden, drohen ihm mehrere Jahre Gefängnis.

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