Missbrauchsprozess wegen Feueralarm im Kölner Landgericht abgesagt

Ein Feuerwehrauto vor dem Kölner Landgericht

Missbrauchsprozess wegen Feueralarm im Kölner Landgericht abgesagt

Von Jochen Hilgers

Wegen eines Feueralarms ist das Kölner Landgerichtsgebäude evakuiert worden. Der Prozessbeginn gegen einen 43-jährigen Mann aus Bergisch Gladbach, dem schwerer sexueller Missbrauch an seiner Tochter vorgeworfen wird, wurde abgesagt.

Der Prozess gegen den Hauptbeschuldigten im Missbrauchsfall Bergisch Gladbach wurde am Montag (10.08.2020) abgesagt. Ein Klimagerät im Kälteraum des Kölner Landgerichts war in Brand geraten. Das gesamte Hochhausgebäude musste geräumt werden. Die Feuerwehr konnte den Brand löschen. Die Sirenen im Landgericht gingen an, als die zahlreichen Journalisten und Kamerateams eigentlich zum Sitzungssaal aufbrechen wollten. Ein Zusammenhang zwischen dem Feueralarm und dem Prozessbeginn scheint laut Gericht nicht zu bestehen.

Kölner Landgericht

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Für Montag war allerdings auch nur die Verlesung der Anklageschrift vorgesehen. Dem 43-jährigen Beschuldigten werden 79 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern vorgeworfen. Er soll seine zu Beginn erst drei Monate alte Tochter sexuell missbraucht haben und Videos und Bilder davon in Chats gestellt haben. Laut Landgericht beginnt der Prozess am kommenden Montag, dem 17.08.2020.

Trotz Corona-Beschränkungen hatte das Kölner Landgericht 30 Presseplätze im Saal eingerichtet. In einen benachbarten Saal sollte der Ton aus dem Gerichtssaal für weitere Journalisten übertragen werden.

Opfer als Nebenklägerin im Prozess

Der Missbrauch geschah offenbar, ohne dass die Mutter etwas davon mitbekam. Sie lässt ihre kleine Tochter von einer Anwältin als Nebenklägerin vertreten. Die Mutter hatte vermutlich auch von einem zweiten Tatkomplex keine Ahnung. Da soll ihr damaliger Ehemann mit einem Chatpartner aus Kamp-Lintfort nach vorheriger Absprache weitere sexuelle Straftaten begangen haben.

Beide sollen Sohn und Tochter des Chatpartners und die Tochter des Beschuldigten mehrfach sexuell missbraucht haben. Wie der WDR aus Justizkreisen erfuhr, soll der Chatpartner aus Kamp-Lintfort seine dreijährige Tochter sogar alkoholisiert haben.

Bundesweite Ermittlungen folgten

Als Ermittler auf die Spur des jetzt Angeklagten kamen, beschlagnahmten sie mehrere Terrabyte an Computerdateien. In manchen Chats waren bis zu 1.800 Interessenten im Netz unterwegs. Der Prozess könnte weitere Einblicke in das Netzwerk bringen.

NRW-Justizminister Peter Biesenbach spricht von mindestens 30.000 verdächtigen IP-Adressen, die bisher ermittelt wurden. Hinweis auf eine enorme Zahl von Tätern. Alleine in Nordrhein- Westfalen werden Stand vergangenen Donnerstag 87 Männer als Beschuldigte geführt.

Sicherungsverwahrung droht

Dem Angeklagten aus Bergisch Gladbach droht eine hohe Strafe von bis zu 15 Jahren. Zudem könnte er anschließend in Sicherungsverwahrung genommen werden. Zum Schutz der Bevölkerung, wie ein Gerichtssprecher sagte.

Stand: 10.08.2020, 14:00

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