Bonner Prozess um versuchten Mord: Opfer belastet Angeklagten schwer

Das Opfer, das von seinem Ex-Freund im Juni 2018 niedergestochen wurde, auf dem Weg zum Gerichtssaal.

Bonner Prozess um versuchten Mord: Opfer belastet Angeklagten schwer

Von Christoph Hensgen

  • Angeklagter soll elf Mal auf Ex-Freundin eingestochen haben
  • Motiv offenbar krankhafte Eifersucht
  • Urteil voraussichtlich Ende März

Im Prozess um den versuchten Mord eines Bundeswehrsoldaten an seiner Ex-Freundin hat das Opfer den Angeklagten am Freitagmorgen (15.03.2019) schwer belastet. Vor dem Landgericht berichtete die 23-Jährige, wie der mutmaßliche Täter sie im Juni 2018 nachts vor ihrer Haustür abgepasst und dann mit einem Messer attackiert habe.

Immer wieder brach die angehende Krankenschwester in Tränen aus, während sie detailreich schilderte, was an dem Abend des 22. Juni 2018 in der Bonner Nordstadt passiert sein soll.

Angeklagter soll seiner Ex-Freundin aufgelauert haben

Die 23-Jährige wollte zur Polizei. Denn kurz zuvor hatte sie von einer Kollegin erfahren, dass ihr Ex-Freund, von dem sie sich zwei Tage zuvor getrennt hatte, Nacktfotos von ihr verschickt hatte. Nicht nur an Arbeitskollegen, sondern auch an ihre Familie. Sie beschloss sofort, den Mann anzuzeigen. Als sie aus dem Haus gegangen sei, habe ihr Ex plötzlich vor ihr gestanden. Gekleidet in einem schwarzen Kampfanzug, ein Messer in der Hand.

"Ich habe Dir doch gesagt, was passiert", soll der junge Mann noch gesagt haben, dann habe er zugestochen. Der Angeklagte hatte offenbar in den Wochen zuvor bereits mehrmals gedroht sie zu töten, sollte sie sich von ihm trennen.

23-Jährige durch elf Messerstiche lebensgefährlich verletzt

Sie sei unter anderem am Hals, am Kopf, den Schultern und am Rücken verletzt worden, berichtete die Frau, die auch als Nebenklägerin im Prozess auftritt. Elf Mal, sagt die Bonner Staatsanwaltschaft, hat der mutmaßliche Täter zugestochen. Sie habe versucht zu wegzurennen und habe um ihr Leben geschrien, dann sei sie zusammengebrochen.

Nur weil Nachbarn ihre Schreie hörten und sofort erste Hilfe leisteten, überlebte die junge Frau. Der Angreifer flüchtete in einem Auto, konnte aber am nächsten Morgen in Bornheim festgenommen werden. Sein Motiv laut Anklage: krankhafte Eifersucht.

Mutmaßlicher Täter verfolgt Aussage per Video-Übertragung

Bereits am Dienstag (12.03.2019) hatte die 23-Jährige stundenlang ausgesagt und dem Gericht über ihre Beziehung zum Angeklagten berichtet. Auch heute musste der Angeklagte während der Aussage den Saal verlassen und die Schilderungen der 23-Jährigen in einem anderen Raum per Video-Livestream verfolgen. Das Gericht hatte diese äußerst seltene Vorgehensweise angeordnet. Ärzte hatten bescheinigt, dass die junge Frau aufgrund des psychischen Drucks in Anwesenheit des Angeklagten nicht in der Lage sein würde, auszusagen.

Ein Urteil wird Ende März erwartet.

Stand: 15.03.2019, 12:18

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