Opfer sagt zu Mordversuch an Urfttalsperre aus

Opfer sagt zu Mordversuch an Urfttalsperre aus

Von Helga Lennartz

  • 40-Jähriger wurde lebensgefährlich verletzt
  • Opfer verwickelte sich bei Polizei in Widersprüche
  • Tat soll Bestrafungsaktion gewesen sein

Im Prozess um einen angeklagten Mordversuch in der Eifel hat am Dienstag (22.10.2019) das Opfer vor dem Aachener Landgericht ausgesagt. Dabei bestätigte der Mann, dass zwei Bekannte ihn nahe der Urfttalsperre hinter einen Kleintransporter gebunden und hunderte Meter hinter sich her geschleift haben. Doch das Gericht hat Zweifel an der Darstellung.

Ein Angeklagter war Ex-Kollege des Opfers

Drei Wochen lang lag der 40 Jahre alte Stuckateur aus Euskirchen im Krankenhaus, er hatte mehrere Rippen gebrochen und seine Lunge war verletzt. Bis heute habe er Schmerzen, sagte der Mann vor Gericht.

Im April hatte er laut eigener Aussage mit zwei Bekannten in einer Kleingartenanlage gefeiert, es floss viel Wodka. Einen der Männer kannte er gut, es war ein früherer, Arbeitskollege, „ein sehr angenehmer“. Gemeinsam hatten sie bei einem Dachdeckerbetrieb gearbeitet.

Handyklau soll Auslöser gewesen sein

Irgendwann soll die Stimmung in der Gartenlaube gekippt sein. Die beiden Bekannten sollen das spätere Opfer des Diebstahls bezichtigt haben, ein Handy und Geld soll er geklaut haben – völlig zu Unrecht, wie der Mann im Zeugenstand betonte.

Er sei daraufhin geschlagen und getreten, dann mit einem Kleintransporter entführt worden. Als die Fahrt nach 30 Minuten endete, habe er gar nicht gewusst, wo er war. Nach weiteren Schlägen sei er an den Wagen gefesselt und mitgeschleift worden – hunderte von Metern.

Er habe laut geschrien, doch die beiden Bekannten hätten weitergemacht. Erst als er sich tot gestellt habe, habe man von ihm abgelassen. Der 40-Jährige wurde am nächsten Morgen lebensgefährlich verletzt gefunden.

Richter bezweifeln Darstellung

Dass die Situation so eskalierte, nur wegen eines geklauten Handys und ein bisschen Geld, das glaubten die Richter des Landgerichts dem Mann nicht. Dieser hatte bei der Polizei mehrmals falsche Aussagen gemacht. Unter anderem sprach er zunächst von zwei unbekannten Russen, die ihn ohne erkennbaren Grund überfallen hätten. Erst später und einige Versionen weiter kamen die beiden angeklagten Bekannten ins Spiel.

So wurde der 40 Jahre alte Stuckateur auch eindringlich vom Vorsitzenden Richter gefragt, ob hinter allem nicht doch ein gemeinsames, größeres kriminelles Geschäft gesteckt habe? Ob es dabei um Rauschgift gegangen sei? Das bestritt der Man vehement.

Prozess Urfttalsperre

00:30 Min. Verfügbar bis 22.10.2020

Stand: 22.10.2019, 17:44