Rocker wegen tödlicher Schüsse erneut vor Gericht

Ein Einschussloch im Holz. Unten und rechts daneben sind Lineale angelegt.

Rocker wegen tödlicher Schüsse erneut vor Gericht

Von Helga Lennartz

Vor dem Aachener Landgericht wird ab heute ein spektakulärer Fall neu aufgerollt. Es geht um eine Schießerei im Rockermilieu. Dabei war vor fünfeinhalb Jahren ein 18-Jähriger in Würselen erschossen, ein anderer Mann schwer verletzt worden.

Es ist der Abend des 21. Mai 2015:  Mehrere Männer aus dem Umfeld der Hells Angels tauchen am Hintereingang einer leerstehenden Gaststätte in Würselen auf. Kurz danach fallen im Gebäude Schüsse, die Männer draußen erwidern das Feuer. Am Ende ist ein 18-Jähriger tot, getroffen durch drei Projektile einer Selbstladepistole, ein Schuss hat sein Herz durchschlagen. Ein Bekannter von ihm erleidet einen Bauchschuss, überlebt schwer verletzt.

Erster Prozess unter erschwerten Bedingungen

Anklagebank im Gerichtssaal mit dem Angeklagten (unkenntlich) und seinen Verteidigern

Erster Prozess um Schüsse in Würselen

Acht Monate später beginnt vor der Aachener Schwurgerichtskammer der Prozess gegen den mutmaßlichen Schützen Deniz Y. Die Anklage lautet auf versuchten und vollendeten Totschlag. Die Beweisaufnahme ist schwierig. Viele Zeugen aus dem Rockermilieu lügen vor Gericht, mauern oder verweigern die Aussage, wird später der Richter sagen. Nach einer Schlägerei unter Zuschauern wird fortan unter Polizeischutz verhandelt.

Richter: Rocker wollten Schulden eintreiben

Nach mehr als 20 Prozesstagen fällt am 16. Juni 2016 das Urteil: Deniz Y. wird freigesprochen. Er habe aus Notwehr geschossen, sagen die Richter. Sie folgen damit dem Antrag der Verteidigung. Die späteren Opfer seien an jenem Abend zusammen mit anderen Rockern gewaltsam in die Gaststätte von Deniz Y. eingedrungen, vermutlich um Schulden aus Drogengeschäften einzutreiben. Der 18-jährige Hassan S. habe einen Schlaghandschuh, sein Bekannter einen Schlagring bei sich getragen.

BGH hebt Urteil auf

Eine Tat aus Notwehr? Das sehen Staatsanwaltschaft und Nebenklage anders. Sie gehen von Totschlag aus und gehen erfolgreich in Revision. Der Bundesgerichtshof hebt das Urteil auf.

Nun wird der Rocker-Fall neu verhandelt, diesmal vor einer anderen Schwurgerichtskammer als im Juni 2016. Bislang sind für den Prozess 15 Verhandlungstage eingeplant, mit dem Urteil ist erst im kommenden Jahr zu rechnen – mehr als sechs Jahre nach der Schießerei.

Schießerei Rockermilieu: Prozess neu gestartet

00:29 Min. Verfügbar bis 15.11.2021


Stand: 15.11.2020, 14:09

Weitere Themen