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Missbrauchs-Prozess: ehemaliger Kirchenrichter mit überraschender Aussage

Stand: 27.01.2022, 17:27 Uhr

Im Prozess gegen einen 70 Jahre alten Priester, dem mehrere Fälle sexualisierter Gewalt vorgeworfen werden, hat jetzt nochmal der ehemalige Kirchenrichter Günter Assenmacher ausgesagt.

"Wenn man sich damals ausgiebiger bemüht hätte, alles zusammenzutragen, was heute bekannt ist, wäre es nicht unmöglich gewesen, auf die Nichten zuzugehen und spätere Opfer zu vermeiden", sagte Günter Assenmacher bei seiner erneuten Anhörung vor Gericht. Noch einmal ging es an diesem Verhandlungstag darum, wie das Erzbistum mit den Vorwürfen gegen den beschuldigten Priester im Jahr 2010 umgegangen ist.

In seiner Vernehmung fragte der Vorsitzende Richter Assenmacher immer wieder nach der "Causa Ue.". Bereits im Jahr 2010 war das Erzbistum mit den Vorwürfen konfrontiert worden, dass der Priester Ue. seinen drei Nichten in einer Gemeinde in Gummersbach sexualisierte Gewalt angetan haben soll. Assenmacher sagte, dass die Vorwürfe damals sehr massiv gewesen seien. Man habe aber nichts machen können, weil keine der Betroffenen die Aussage hatte wiederholen wollen.

Assenmacher: Er sei für den Fall nicht zuständig gewesen

Auffällig in der Aussage war, dass Assenmacher immer wieder darauf verwies, für den Fall nicht zuständig gewesen zu sein. Er als oberster Kirchenrichter habe nicht die Aufgabe gehabt, die Vor-Ermittlungen zu führen. Deshalb habe er auch nicht von dem ungewöhnlichen Umstand gewusst, dass der Priester Ue. vor einigen Jahrzehnten zwei Pflegekinder, einen Jungen und ein Mädchen, bei sich aufgenommen hatte.

Das habe Assenmacher erst mit Beginn der Verhandlung erfahren, in die Personalakte habe er nicht geschaut. Merkwürdig, weil selbst Journalisten vor Beginn des Prozesses davon wussten, dass Priester Ue. mit Genehmigung des damaligen Erzbischofs Höffner, Pflegekinder in seinen Haushalt aufgenommen hatte. In dem Prozess hat sich dann herausgestellt, dass der Angeklagte seine Pflegetochter nach ihrer Aussage mehrfach vergewaltigt hatte. 

Wie viele Opfer sich bisher gemeldet haben, ist noch unbekannt

Assenmacher ging in seiner Aussage noch weiter. Er sagte, dass er "Gefangener seiner Hilfsbereitschaft" geworden sei. Heute würde er dafür kritisiert, nicht genug unternommen zu haben, um den Priester Ue. dauerhaft aus dem Dienst zu nehmen. Es sei nicht seine Kompetenz gewesen, sondern die der Justiziarin bzw. des damaligen Personalchefs. "Ich hätte sagen sollen, es interessiere mich nicht", fügte er zum Erstaunen des Gerichts hinzu. Assenmacher sagte aber auch, als er vom Vorsitzenden Richter nach einer Bilanz gefragt wurde, dass es ihm leid tue.

Am Nachmittag hatte unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine weitere mutmaßliche Betroffene in dem Prozess ausgesagt. Wie viele mögliche weitere Opfer sich bislang beim Gericht gemeldet haben, ist nicht bekannt.