Prozess um gestohlene Richter-Kunstwerke in Köln

Gerhard Richter

Prozess um gestohlene Richter-Kunstwerke in Köln

Von Markus Schmitz

  • 49-Jähriger hat Richter-Werke gestohlen
  • Urteil: Geldstrafe wegen Diebstahls
  • Künstler hatte Werke in Mülltonne geworfen
  • Kunstwerke waren nicht signiert

Das Kölner Amtsgericht hat am Mittwoch (24.04.2019) einen Mann wegen Diebstahls verurteilt, der aus der Altpapiertonne des weltbekannten Künstlers Gerhard Richter in Köln einige Kunstwerke aus dem Müll gestohlen hat. Der 49-Jährige muss 90 Tagessätze zu je 35 Euro als Strafe zahlen. Außerdem muss er alle noch in seinem Besitz befindlichen Kunstwerke zurückgeben.

Der Angeklagte schwieg zu den Vorwürfen. Ein Polizeibeamter, der mit dem Fall betraut ist und als Zeuge aussagte, berichtete von einer ersten Vernehmung mit dem Angeklagten. Der hatte damals gesagt, dass eine Mülltonne vor dem Atelier Richter durch einen Windstoß umgefallen sei, und die besagten Kunstwerke auf der Straße lagen. Deshalb habe er sie aufgenommen und später wohl auch erfolglos Kontakt zu Gerhard Richter aufgenommen.

Käufer für Richter-Werke gesucht

Die Werke von Gerhard Richter gehören zu den teuersten Werken zeitgenössischer Kunst. Und offenbar ist auch das interessant, was Gerhard Richter selber als Müll eingestuft hatte. Der 49-Jährige hatte an Richters Atelier im Kölner Süden bemalte Fotografien aus der Altpapiertonne gezogen. Diese Blätter versuchte der Mann anschließend in einer Galerie in München zu verkaufen. Laut Amtsgericht gab es tatsächlich eine Schätzung für die Objekte. 60.000 Euro wären in der Kunstszene dafür zusammen gekommen.

 Gerhard Richter wegen Krankheit nicht als Zeuge vor Gericht

Das Kölner Amtsgericht hatte den Künstler selbst als Zeuge in diesem Prozess geladen. Richter musste ein Attest vorlegen, weil der 87-Jährige seit einem Krankenhausaufenthalt Anfang des Jahres erst noch gesund werden muss.

 Griff in Mülltonne ist Diebstahl

Die rechtliche Lage ist eindeutig: Gegenstände, die im Müll liegen, sind für die Entsorgung bestimmt und bis dahin im Besitz des Eigentümers. Alles andere sei Diebstahl, so das Kölner Amtsgericht. Nach WDR-Informationen geht es Gerhard Richter nicht darum, dass der Angeklagte bestraft wird.  Es solle vielmehr klar gestellt werden, dass die Werke, von denen sich einige immer noch im Besitz des Angeklagten befinden, herausgegeben und zerstört werden. Genau das hat das Amtsgericht in seinem Urteil jetzt angeordnet.

Stand: 24.04.2019, 16:03