Springmann-Prozess: Hochschulprofessor sagt aus

Landgericht Wuppertal

Springmann-Prozess: Hochschulprofessor sagt aus

Von Wolfram Lumpe

  • Ehepaar Springmann wurde im eigenen Haus ermordet
  • Mutmaßlicher Täter soll ihr Enkel und Alleinerbe sein
  • Vater glaubt an Unschuld seines Sohnes

Im Prozess um den Tod des Wuppertaler Unternehmer-Ehepaars Springmann hat am Montag (16.04.2018) ein Hochschulprofessor ausgesagt. Hintergrund ist die Studien-Situation des Springmann-Enkels, der in dem Prozess der Hauptangeklagte ist.

Der Professor, den der getötete Enno Springmann von den Rotariern wohl gut kannte, sagte am vierten Prozesstag aus, Springmann habe von ihm wissen wollen, ob man heutzutage eigentlich ohne jegliche Nachweise studieren könne. Das habe ihm sein Enkel nämlich erzählt. Natürlich sei das keinesfalls so, sagte der Dozent.

Studium ohne Nachweise

Diese Information habe Springmann offenbar sehr böse werden lassen. Wörtlich soll er gesagt haben: "Der lügt mich an". Dass der 26-jährige Enkel studierte, sei für Springmann eine Hauptvorraussetzung für die hohen Zuwendungen gewesen, die an seinen Enkel gingen.

Vergangene Woche erst war eine Aussage des Springmann-Sohns in den Prozess miteinbezogen worden - per Video-Aufzeichnung. Der 56-Jährige tritt als Nebenkläger im Prozess gegen seinen Sohn, den angeklagten Enkel, auf.

Immobilien sollten überschrieben werden

In dem Video vom August 2017 sagte der Vater des Hauptangeklagten, dass seine Eltern ihrem Enkel Summen in sechsstelliger Höhe gegeben hätten. Zudem soll sein Sohn bereits ein Haus geschenkt bekommen habe.

Aufnahme aus dem Gerichtssaal

Der Mordprozess Springmann vor Gericht

Ende 2016 wollten die Großeltern ihm eigentlich alle Immobilien überschreiben. Zuletzt habe es aber "Diskrepanzen" gegeben, weil der Enkel wohl keine Leistungen im Studium vorweisen konnte. Daraufhin soll seine Großeltern die Überschreibung verweigert haben. Ähnliches hatte ein Vernehmungsbeamter bereits am zweiten Prozesstag verlauten lassen.

Das Verhältnis zwischen Großvater und Enkel hat sich nach Angaben des Vaters danach deutlich verschlechtert. An die Schuld seines Sohnes glaubt er aber nicht, sagte er in dem Video. "Ich gehe nicht davon aus, dass mein Sohn es wirklich war."

Bekannter ebenfalls angeklagt

Der 91-jährige Enno Springmann und seine 88 Jahre alte Frau Christa waren angesehene Kulturförderer. Sie betrieben eine Stiftung und lebten zurückgezogen auf den Wuppertaler Südhöhen. Dort wurden ihre Leichen Mitte März 2017 gefunden. Angeklagt ist neben dem Enkel auch ein 45 Jahre alter Bekannter.

Aus Habgier seien beide zu Mörder geworden. Der Mitangeklagte sei ein Freund und Geschäftspartner des Enkels gewesen. Dieser habe wiederum ihn unterstützt. Auf das Geld habe er nicht verzichten wollen und sei ebenfalls zum Täter geworden.

Langwieriger Indizienprozess  

Über Monate wurde im Springmann-Anwesen ermittelt und viele Spuren wurden sichergestellt. Diese sollen den Enkel belasten. Seine Verteidiger bezweifelten das und reichten Haftbeschwerde ein, die das Gericht aber ablehnte.

Pikantes Detail: Der Vater des Enkels tritt als Nebenkläger auf, also gegen den eigenen Sohn. Beide haben hochkarätige Anwälte beim Prozess; allein der 26-Jährige hat vier Verteidiger. 35 Prozesstage sind angesetzt, im September 2018 könnten die Urteile fallen. Den Angeklagten droht lebenslange Haft.

Stand: 16.04.2018, 17:33