Prozess nach Tötung einer Bonnerin in Tunesien

Eine Handyhülle mit einem Foto der getöteten Bonnerin Ahlem Dalhoumi (rechts) und ihrer Schwester Sondes Dalhoumi.

Prozess nach Tötung einer Bonnerin in Tunesien

Von Franca-Ricarda Schön

  • Zwei tunesische Polizisten sind angeklagt
  • Sie sollen die Bonnerin Ahlem und ihre Cousine Ons getötet haben
  • Seit fünf Jahren kämpft die Familie für Gerechtigkeit

Mehr als fünf Jahre ist es her, dass die Bonnerin Ahlem Dalhoumi und ihre Cousine Ons im tunesischen Kasserine erschossen wurden. Jetzt hat ein tunesisches Gericht Anklage gegen zwei Polizisten erhoben.

Dafür, dass der Tod der beiden 21 und 18 Jahre alten Frauen nicht ungesühnt bleibt, hat Familie Dalhoumi jahrelang gekämpft. In Tunesien selbst und auch von Bonn aus. "Ich habe nahezu jeden Politiker angesprochen und angeschrieben: Das Auswärtige Amt, der Bundespräsident, die Kanzlerin. Alle kennen unseren Fall", erzählt Fadhila Dalhoumi, die Tante der beiden getöteten Frauen. Aber nicht nur sie, die ganze Familie fordert Gerechtigkeit für Ahlem und Ons.

Schüsse ohne Vorwarnung

Im Sommer 2014 besuchten Ahlem und ihre ältere Schwester Sondes Dalhoumi ihre Verwandten in Tunesien. Am 24. August waren die beiden im tunesischen Kasserine auf dem Heimweg von einer Hochzeit, zusammen mit Verwandten und Freunden. Zu siebt hatten sie sich in ein Auto gequetscht. Sondes fuhr den Wagen mit Bonner Kennzeichen. Trotz der Enge hatten sie Spaß im Auto, redeten und lachten. Sie fuhren über eine abgelegene, schlecht ausgebaute Straße voller Schlaglöcher. "Wir fuhren höchstens 30 Stundenkilometer", erinnert sich Sondes, "als schwarz gekleidete Männer aus dem Gebüsch sprangen". Sofort fielen Schüsse, sagt sie.

Zwei junge Frauen sterben

Das Grab der 2014 in Tunesien erschossenen Bonnerin Ahlem Dalhoumi.

Das Grab der 2014 in Tunesien erschossenen Ahlem Dalhoumi.

Eine Kugel trifft ihre Schwester Ahlem am Kopf. Sie stirbt noch am Tatort. Auch die Cousine Ons schafft es nicht und erliegt ihren Verletzungen auf dem Weg ins Krankenhaus. Zwei weitere junge Leute werden schwer verletzt.

Die Schützen sind Polizisten. Und ihre Darstellung der Ereignisse ist eine ganz andere. Das vollbesetzte Auto sei mit sehr hoher Geschwindigkeit auf ihren Kontrollpunkt zugefahren, man habe mit Terroristen gerechnet. Und obwohl es Zeugen und stichhaltige Beweise für die Darstellung der Familie gibt, passiert nichts.

Zunächst keine Ermittlungen gegen Polizisten

"Überall auf der Welt ist es so, dass nur sehr ungern gegen Polizisten ermittelt wird. Das ist nicht nur in Tunesien so, auch in den USA und Deutschland", erklärt der Bonner Rechtsanwalt Michael Hakner. Er vertritt die Familie zusammen mit anderen Anwälten in Deutschland und Tunesien. Dass es jetzt, mehr als fünf Jahre nach der Tat, trotzdem zum Prozess gegen zwei tunesische Polizisten kommt, hat mehrere Gründe.

Familie kämpft von Deutschland aus

Der wichtigste ist wohl, dass die Familie über all die Jahre nicht locker gelassen hat. Und: Ahlem hatte die deutsche Staatsbürgerschaft. Deshalb pocht auch das Auswärtige Amt auf eine Aufklärung des Falls.

Ende Dezember hat die Anklageschrift in Tunesien die letzte Hürde genommen. Im Februar soll in der tunesischen Stadt Sfax der Prozess gegen zwei von insgesamt elf beteiligte Polizisten beginnen. Aus ihren Waffen stammten die Patronen, die Ahlem und Ons töteten.

Bonnerin in Tunesin getötet: Familie fordert Aufklärung 04:19 Min. Verfügbar bis 15.01.2021

Stand: 15.01.2020, 12:03